Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 81 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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81 laden. Zurückgekehr zu dir gesandt, daß fragte er die Rabbineu, weshalb sie gekommen? „Wir sind du für uns um Regen betest." Gelobt sei Gott, erwiderte Abba, daß er euch seiner nicht benötigen ließ. „Wir wissen gleichwohl — versetzten die Gäste — daß nur deinetwillen der Regen gekommen, aber gib uns jetzt über Einiges Aufschluß, was uns in deinem Betragen aussiel. Warum sahst du uns kaum an. als wft dich begrüßten?" Ich arbeitete auf Taglohn und mochte meinen Arbeitgeber picht durch eine Unterbrechung schädigen. „Warum hast du uns nicht zum Mitessen ungeladen?" Weil das Mahl nur gering war und ich nicht Dank haben wollte für eine leere Höflichkeit. „Warum ist die Wolke zuerst von der Seite aufgestiegen, wo deine Frau gebetet?" Weil die Frau, im Hause weilend, öfter Gelegenheit hat, Hülfesuchenden wohlzutun und darum höher steht in den Augen Gottes. (Taan. 23.) Daß jeöoch nicht nur der Mittellose, sondern der Reichste selbst arbeiten soll und durch die Arbeit sich ehrt, spricht der Talmud (Menachoth 85) in ener Erzählung von dem reichem Olivenbesitzer aus, der es sich nicht verdrießen aßt, selber die Feldgeräte auf die Schultern zu nehmen, die Wege von Steinen zu «äubern. überhaupt alle Feldarbeit zu tun, obgleich sein Wohlstand so groß ist, daß seinen Gästen goldene Gefäße zu erquickendem Bade geboten werden. In gleichem Maße, als das geistige Interesse gesteigert ist, vermindert sich der Anspruch auf materielles Wohlleben, und so begegnen wir oft im Talmud einer Genügsamkeit, die innere Bewunderung erregt. In bitterer Entbehrung Lebende sind glücklich und hei er, denn Ehre und Bildung gelten ihnen als höchste Güter. Bekannt ist das Wort der Boraitha: Brot und Salz magst du essen, selbst Wasser mit Maß nur trinken, auf der Erde schlafen, in Mühsal und Arbeit deinen Unterhalt beschaffen, aber )er Thora dich befleißigen. Wie bezeichnend hierfür sind folgende zwei kleine Dialoge! „Warum ist leute," fragt R. Tarfon den R. Juda, „dein Antlitz so leuchtend?" Wir haben gestern von dem Gemüse gegessen, das deine Diener vom Felde gebracht. Dabei haben wir es ohne Salz gegessen, hätten wir auch Salz dazu gehabt, so würden unsere Gesichter noch leuchtender sein. „Wie! apostrophiert auch eine Matrone dem Leuchtenden, ein Lehrer und ein Trinker?" Ich schwöre Dir, beteuert er, ich trinke Wein nur zum Segenspruch am Sabbathein- und -ausgang und die vorgesch 'iebenen Becher an den Passahabenden; diese aber verursachen mir solchen Kopfschmerz, daß ich mir bis zum Psingftfeste die Schläfen halten muß. Aber die Weisheit erleuchtet das Antlitz. (Redar. 49.) Das hohe Ansehen, der Frau in der talmudischen Welt bekunden zahllose Aussprüche. Ich nenre nur den einen: „Wer ohne Frau weilt, weilt ohne Freude, ohne Segen, ohne Glück." (Jeb. 62.) Ein tyrannisches Hausregiment wird als Quelle der größten Laster befreitynet, ein sanftes dagegen als Quelle der Lebens- ’) Gitt. 6.