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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-04-01 · Heft 4 (1.4.1904) · p. Seite 80

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 4 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 80 (sequence 10)
Language
German
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80 daß du deinem Publikum die Antworten schuldig bliebst? Als sie mir — versetzte er — jenen erhabenen Standort anwiesen, versagte mir die Sprache: die Ehre war mir zu gtqß. (Jebam 105.) Chanin, „der sich^ Verbergende", so genannt, weil er in seiner Bescheidenheit alle Ehrenbezeigungen floh, ward oft, wenn die Negennot anhielt, gleich seinem Großvater Chone Hapiaagal, um Fürbitte bei Gott angegangen. Einst faßte ihn die Menge am Kleide und rief: Vater, Vater, gib uns Regen! Da wandte er den Blick zur Höhe stnd sprach: Herr der Welt, tue es um dieser willen, die nicht zu unterscheiden wissesi zwischen dem Vater, der allein Regen zu geben vermag, und dem, der es nicht vermag! (Taan. 23.) So tapfer widerstand er der ihm aufgedrungenen Vergötterung Freilich — bemerkt der Talmud (Sota 5) — einen kleinen Bruchteil Stolz mag der Talmid Chacham, d. i. der geistig höher Stehenhe, der berufen ist, der Menge leitend und belehrend vorzustehen, irnmerhsn haben. Dieser Bruchteil Stolz mag etwa in dem gleichen Verhältnis zu seiner sonnigen Bescheidenheit stehen wie bei der Ähre das, was von den Grannen über die Körner hinausreicht zu den Körnern selbst. Das Gleichnis ist ungemein treffend.! Die stachligen Grannen sind gleichsam zum Schutze da für die Frucht. Auch bit für ein erfolgreiches Wirken nötige Autorität kann des Schutzes vor unwürdigen, herabziehenden und mißbrauchenden Elementen nicht entraten. / Eine längere ^Erzählung von einem anderen Enkel des Chone-Hamaagal, einem Abba Chilkija. will ich Ihnen wenigstens auszugsweise milteilen, weil sie gleichfalls die Bescheidenheit der Talmudweisen charakterisiert und zugleich ein Licht wirft auf die Schätzung der Arbeit, die strenge Pflichttreue und Wahrhaftigkeit, und endlich auch auf tue Wohltätigkeit und Angesehenheit der Frau in der talmudischen Welt. Während einer Regcnnot kamen die Rabbinen zu Abba Chilkija, um ihn wegen einer Fürbitte bei Gott anzugehen. Da sie ihn nicht zu Hause trafen, jo gingen sie aufs Feld und trafen ihn gerade beim Pflügen. Sie begrüßten ihn — er beachtete es nicht. Nach vollbrachter Arbeit ging er, immer gefolgt von den Rabbinnen, die Schaufel über der Schulter, heim, setzte sich mit seiner Familie zu einem bescheidenen Mahle, gab jedem sein Teil, lud aber die Fremden nicht zum Mitesfen ein. Dann sprach er leise zu seiner Gattin: Ich weiß diese da sind gekommen, .um mich wegen einer Fürbitte um Regen anzugehen; so komm' mit mir in das Obergemach, daß wir dort unbeobachtet unser Gebet verrichten, vielleicht erbarmt sich Gott und gibt Regen, und wir vermeiden den Anschein, als ob er unserer Fürbitte zu verdanken wäre. So stiegen sie denn in das Obergemach und beteten, der Gatte von der einen, die Gattin von der entgegengesetzten Seite. Und siehe da, von der Seite der Gattin zeigte sich zuerst eine Wolke, um bald über den ganzen Himmel sich zu verbreiten und in einen! wohltuenden Regen zu ent-

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