Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1903)
- Date
- 1903-03-01
- Page
- Seite 63 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969975-2969979--6866-2977533- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
63 stützt werden sollen- Das Vermögen der Gesellschaft beträgt gegenwärtig 47 200 M. in mündelsicheren Wertpapieren, 3000 M. Salomon Goldschmidt - Stiftung, von welchen die Ortsarmen im benachbarten Hoof die Jahreszinsen und zwar halb die christlichen, halb die israelitischen Armen erhalten. Hierzu kommen noch 6000 M. durch die heutige Stiftung. Die Gesellschaft zählt z. Zt. 327 Mitglieder. Im letzten Jahre hat die „Humanität" durch den Tod das verdienstvolle Vorstandsmitglied Herrn Bernhard Hohenthal, ferner die Herren Gustav Behrens, Abraham Frenkel, Hesekiel Rosenkranz, Jakob Cohn in Kassel und Hermann Meyerhof in Hamburg verloren. (Die Versammlung ehrt das Andenken der Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen). „Humanität, Du^Wort von^Gott gesendet, * Nimm doch zum Beispiel Dir der Sonne Brauch: Nicht nur, daß Wärme sie uns freundlich spendet, Sie Lut noch mehr — denn sie erleuchtet auch!" Mit diesem Dichterworte schloß Herr Fiorino seinen Bericht, der ein so schönes, erhebendes Bild von dem ein Jahrhundert langen Wirken der Gesellschaft entwarf. Nach einem Vorträge des erwähnten Männerquartetts ergriff sodann Herr Landrabbiner Dr Prager das Wort zu einer eindrucksvollen, Kerz und Gemüt bewegenden Festrede. Er sprach von der Humanität im biblischen Sinne und wir wollen versuchen, den Gedankengang feiner Rede in Folgendem kurz wiederzugeben. Lassen Sie uns, so führt er aus, den heutigen Tag begrüßen mit dem Aufblick zu Gott j und preisen die Gnadenhand, die uns geführt hat bis hierher, die uns gewürdigte hat, uns heute zu freuen an dem was unsere Väter begonnen und was wir hab^n fortsetzen dürfen. Die Freude am Edlen, Guten und Wahren, das war das Ideal, das denen vorschwebte, die vor hundert Jahren unsere Gesellschaft „Hunjanität" gegründet haben. Ihr Gesetzgeber Dr. Lucius Lifsmaun gab ihr Bestimmungen, die die Mitglieder hinführen sollten zu den Höhen des Menscheudaseins. Der Zweck der Gründung war nicht bloß Menschenfreundlichkeit, nicht bloß Teilnahme an Leid und Ungemach Anderer, nicht bloß Bereitschaft, zu helfen, Humanität war für Liffmann weit mehr: Sie war der Inbegriff der höchsten Vollendung oder, wie er sich ausdrnckte, ^Verwirklichung der höchsten Qualität, in welcher das Ideal der Menschenseele rein und ungetrübt erscheint. Die Stätte, auf welcher nach diesem Ziele gestrebt und gerungen werden sollte, das sollte die Gesellschaft Humanität sein, also kein Wohltätigkeitsverein im gewöhnlichen Sinne. Wir wollen nicht klagen, daß dieses Ideal sich nicht ganz verwirklicht hat. Ewige Wahrheiten können zeitweilig verdunkelt werden, aber sie treten immer wieder hervor-gleich dem Lichte >er Sonne. Gott hat sie in das Menschenherz gelegt, Er, der das Menschenherz gebildet hat- Wollen wir die Frage prüfen, ob der Begriff der Humanität, wie der Gründer unserer Gesellschaft