Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1903)
- Date
- 1903-03-01
- Page
- Seite 61 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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61 allen in unserem Lande, die treu an des Herrschers Seite des Volkes Weh beachten und Trost den Leidenden bringen. Laß uns all« im Leide die Liebe als Band festhalten, daß wir dich erkennen und dir nachahmen im Üben der Liebe. Amen! Die Kundert;ahrfeier der „Kumanität" jn Kassel. Wenn eine freie menschliche Vereinigung ohne äußeren Zwang, regiert durch eigene Gesetze, ein Jahrhundert lang alle Stürme überdauert und ihre Mitglieder durch Generationen unentwegt zusammenhallen, mögen auch die Leiter vielfach wechseln, so läßt uns dies mit Recht vermuten, daß der Gründung einer solchen Gesellschaft ein erhabener Gedanke zu Grunde gelegen haben muß, daß es warhaft ideale Ziele sein müssen, dem sie zustrebt. Nur das warhaft Gute und Edle kann ein Kitt sein, der Menschen eine so lange Zeit vereinigt zu gemeinsamem Streben. Nicht die Wissenschaften, nicht die Künste' vermögen es. Was Menschen so verbinden kann, liegt allein in der Menschen Herzen: Die Liebe, die reine Menschenliebe. Wir sprechen von der Gesellschaft „Humanität", von der man nur selten etwas vernimmt, weil sie ihr großes sittlich uub sozial gleichbedeutsames Werk in der Stille vollbringt. Aber am 30. Januar sprach man von ihr und es war ein seltener Anlaß dazu vorhanden. Man feierte das hundertjährige Stiftungsfest! Eine weihevolle Stimmung lag über den vielen hundert Damen und Herren, die sich in dem im Festschmucke prangenden Hanuschsaal vereint hatten. Unter den zahlreich geladenen Gästen bemerkten wir die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden. Stimmungsvoll erklang die musikalische Einleitung der Feier und der schön gesungene' Choral „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Dieser und. die übrigen Gesänge, welche in angemessener Weise in den Pausen zwischen den einzelnen Ansprachen eingelegt waren, wurden rein und ausdrucksvoll vorgetragen von einem aus Mitgliedern der Gesellschaft gebildeten Quartett, welches Herr Kapellmeister Lion dirigierte. Als die letzten Töne des Chorals verklungen waren, richtete der jetzigeVorsitzende der „Humanität" Herr Bankier Fiorino begrüßende Worte an die Festgesellschaft. In den Geist und in die Zeit Schillers, so sagte Herr Fiorino u. A., müssen wir uns vertiefen, wollen wir die Gründung der Gesellschaft „Humanität" verstehen lernen, unserer Gesellschaft, die vor nunmehr hundert Jahren, nämlich am 21. November 1802, in unserer geliebten Vaterstadt errichtet wurde. Das Ideal unserer Begründer war, sich Und die ganze Menschheit durch Wohltun zu umfassen. Man schrieb auf die Humanitätsgesetze: „Wohl dem, dem