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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-03-01 · Heft 3 (1.3.1903) · p. Seite 59

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 3 (1.3.1903)
Date
1903-03-01
Page
Seite 59 (sequence 13)
Language
German
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59 nicht besteht bloß im Festhalten unserer Seele an ihm. Die wahre Religion findet sich erst, wenn du wie Gott erbarmungsvoll bist, wenn du wie Gott gnädig bist, wenn du wie Gott sagst: muchazti waani erpo, wo Wunden sind, bringe ich Heilung, ani umis waatii acliaje, wo der Tod ist, komme ich und bringe ich Leben. Da bist du religiös gelvesen. Laß dir das ja nicht rauben, laß dich nicht beirren, daß du etwa glaubst, ^Religion sei nur das Fürwahrhalten von Lehrsätzen, die Menschen aufgestellt habm, laß' dich nicht beirren, daß du meinst, Religion bestehe nur im Ausüben von Bräuchen. Nein, das alles sind Vorstufen für das, was wahre Religion ist, für das Ausuben dessen, was deinem Nebenmenschen wohltut und vergiß nicht, daß jei»er Mensch dein Nebenmensch ist. III. Und nun, meine Teuren, wenn wir dies so überlegen, dürfen wir gewiß sagen: Hier an dieser Stelle sei Dank jenen Männern gebracht, die vor 50 Jahren sich zusammentaten, um hier in dieser Stadt die Israeliten zusammenzurufen, zu "emillus chasodim zur Ausübung der wohltätigen Liebe Sie standen damals nicht alle auf dem Standpunkt, den man heute nennen könnte, den der Orthodoxie, aber alle standen sie mii einander auf dem Standpunkt, daß das Judentum, verlangt, gemillus chassodim zu üben. Darin waren sie einig und kein Streit war da. Dank allen denen, die lnder nicht mehr unter uns weilen, die dahingegangen sind, Dank denen, deren Gräl er wir am Donnerstag aufgesucht haben. Ich will aus ihnen heraus nur die zwei nennen, die in diesem Raum gewiß Anspruch aus Achtung nnd Verehrung haben,, aus die beiden Männer: Aus den verewigten Kirchenrat Dr. von Maier und seinen Nachfolger, Kirchenrat' Dr. von Wassermann. Die beiden haben es wohl verstanden, in ihrer Zeit ihre Gemeindegenossen zusammenzuhalten. Und besonders dem Zweitgenaunten sei hier der Dank dafür gebracht, der in jener Zeit, wo der Verein zu brechen drohte, zusammenzustürzen, daß er sich damals vor die Front gestellt hat und den Verein wieder neu belebte. Dank den Gemeindegenossen, die mit ihm gewirkt haben. Dank ihnen allen, denen die hier auf unserer Erde begraben sind, und auch dem, der in der Ferne auf anderem Boden bestattet worden ist. Dank nicht nur den Toten, sondern auch den Lebenden, die den Verein geleitet und geführt haben. Dank dem Manne, der jetzt an der Spitze des Vereins steht, und mit denen, die an seiner Seite wirken, in der kurzen Zeit seiner Tätigkeit fast den Verein um die doppelte Zahl der Mitglieder erhöht nnd neue Aufgaben ihm zugeführt hat. Dank denen allen, die da beitragen durch ihr Scherflein zur Ausübung der Wohltätigkeit, Dank den Ärzten, die sich bis jetzt der Kranken angenommen haben, Dank allen denen, die geholfen haben. Krankheiten heilen, Krankheiten verhüten, Trauernde trösten und Bekümmerte und Besorgte aufleben lassen und erquicken. Und m t diesem Dank, meine Teuren, werden wir gewiß den Wunsch verbinden: Dieser Verein darf aus unserer Mitte nicht weichen, dieser Verein muß bestehen bleiben und mögen um uns herum noch

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