Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1903)
- Date
- 1903-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Der Balsam» den so Kräuseln läßt der Baum aus seinen Munden, Bewirkt, daß Wunden Anderer Durch seine Kraft gesunken. jDie klare Träne, die da weint,!Der Baum, der schwerverletzte, Bon fremden Zähren stillet sie Manch Bitternis versetzte?) i Ein solcher Balsa mb cum liegt hier niedergebrochen vor uns. In der goldenen Jugend schosi legte das Unheil die bleierne Hand auf ihn. Seit mehr als 60 Jahren hat das Mißgeschick erbarmuiigslos eingeschnitten in sein Wesen, sein Herz, und aus seinen Wunden quoll ein wunderche hehre Ideen, tiefsinnige, anmutsvolle, melodische Lieder e Wunden. Tiefgebeugte, die auf ihn sahen, die an ihn dachten und werden, wie er unter unsäglichem, beispiellosem Ungemach darin gewühlt bis in sanier Balsam: herrli zur Heilung für fremd Schtverbeladenc an ihn jemals denke: sich aufrecht erhielt, r und lernt noch fernerh Den höchsten T ngebrochen, geistesfrisch und schaffensfreudig blieb, der lernte n, eigenes Leid leichter tragen und verwinden, lliriumph des Edelsinnes, der! Seelengüte: Böses mitGutem zu vergelten — ei: hat ihn gefeiert, verwirklicht. Frühzeitig waren ihm die beiden wichtigsten Pforten des äußeren Lebens! verschlossen: Ohr und Auge, in jungen Jahren schon Licht und Klang versagt! sind wie vergalt er diesen Doppelraub des Geschickes? Er lohnte ihn mit dem S^chärentone der.Dichtkunst, mit dem Lichte erhabener Gedaaken — ein Ton. der nie verklingt, ein Licht, das nie verlischt. Ergreifend hat er besungen: Das Süße itn Bittern, den Mut im Gewittern, das Tröstliche im Traurigen, das Liebliche im schaurigen, Beglückendes im Leid, Versöhnendes im Widerstreit. Ist es nicht seltsam? E:, der ferne blieb jeder Wundergläubigkeit, stellte selber ein Wunder dar, ein Wunher, wie die Entwicklungsgeschichte der Menschheit kaum ein zweites kernt, das Wunder, daß der Geist unabhängig sein könne vom Leibe, daß der Geist, der bedeutsamsten Vermittlung der Außenwelt entratend, eine eigene, von einem höheren Lichte verklärte Welf zu gestalten vermag für sich und zum Frommen auch für Andere. Eine vornehme Natur, echt und wahr, jinnerlich harmonisch ausgeglichen, geht mit ihm dahin. Das' einzig Falsche an ihm!war sein Pseudonym, sein Dichtername. Doch welchen echten Klang hat und behalt dieser für alle Zeiten! *) Aus B. Placzek' Sammlung von Gedichten „Im Eruw"