Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1903)
- Date
- 1903-02-01
- Page
- Seite 34 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 34j — j die zwar für unsere Gemeinde keine mehr ist, aber doch in den anderen die Geister und Gemüter noch immer lebhaft beschäftig^ und erregt, in der Frage, ob Sabbat oder Sonntagsgottcsdjenst oder beides. Es ist merkwürdig, für die ausschließliche Beibehaltung des Sabbats gehen zwei Ricktungen Hand in Hand, die an und für sich diametral entgegengesetzt sind: die Ortl>odoxen finden hier ihre stärkste Bundesgenoffenschaft bei den Indifferenten; denn diesen wäre nichts unerwünschter, als die allgemeine Einführung de» Sonntagsgottisdienstes, weil ihnen damit jede Entschuldigung für ihre religiöse Teilnahmlosigkeit genhmmen wäre. Ten Orthodoxen ist der Sabbat sicherlich ehe ernste heilige Sache, eine Herzenssache, den Indifferenten dagegen nur ein Deckmantel, eiü willkommenes Mittel, ihr Fernbleiben vom Gotteshause begründen und beschönigen zu können, und da ihre Zahl sehr groß, so ist es kein Wunder, daß ist dem letzten Parteikampf, in welchem ja der Sabbat die Hauptlosung war, die konservative Richtung den Sieg davontrug über die Vertreter des Fortschritts, aber nicht ohne Hilfe jener grrsßen Schar von Indifferenten, denen der Sabbat nicht auß religiösen, sondern aus irreligiösen Gründen lieber ist als der Sonntag. Jedenfalls bietet dieser Sieg keinerlei Anlaß zu jener Triumph» stimmung, wie sie in einem letzt erschienenen Flugblatt der siegreichen Partei sich ausdrückt, er ist nur ein Beweis, daß einerseits die Konservativen noch immer jede Änderung und Ergänzung! der Tpadition für em Sakrileg ausgeben und daß andererseits die Indifferenzen sich für ihre Bequemlichkeit sogar religiöser Mittel zu bedienen wissen. ' j i j Wem aber das Heil der Gesamtheit höher steht als die Macht und Herr» schaft seiner Partei, wem es Ernst ist niit der Erhaltung der Religion, der wird zwar den Sabbat unangetastet lassen; aber ihn ergänzen durch einen Gottesdienst, den Alle verstehen und an demjenigen Tag«, der heute für die Meisten der wirkliche Sabbat, der einzige Ruhetag ist. Es gibt absolut kein Gesetz, das dem im Wege stände und wenn, so hätten wir aus höheren Interessen das Recht, es aufzuheben, sogar nach dem Talmud selber, her. ausdrücklich sagt: „Die Aushebung eines Wsetzes ist oftmals seine bessere Erüllung", das sagt er mit Bezug auf einen großen Reformator ies alten "Israel, den jKönig Hiskia, der die kupferne; Schlange, obgleich vom Milse selber gescha ssen, zertrümmerte, weil sie aus einem bloßen Sinnbild zu einem Götterbild erhoben worben. Nun, ich meine, auch der Sabbat ist im Laufe der Jahrhunderte aus einem göttlichen Sinnbild zum Gegenstand der Vergötterung, aus einem Bundeszeichen züm Fundament und Inhalt des Bundes gemacht worden. nur ein Mittel sein, nicht tzaS Ziel der Heiligung, ihm übergeben", d. h. hur mehr ausreicht, unS zu heiligen und zu erheben So aber verhält es in Wahrheit aber kann er doch nicht Selbstzweck, sondern sondern nur ein Werkzeug derselben,, oder wie unserel Weisen es treffend ausdrüHn: „er ist uns, aber wir nicht sind Herren auch des Sabbats, wenn er allein nicht sich mit allem, was in der Religion nur Mittel, nicht