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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-02-01 · Heft 2 (1.2.1903) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 2 (1.2.1903)
Date
1903-02-01
Page
Seite 32 (sequence 10)
Language
German
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32 damals setzte sich der Talmudismus siegreich im ganz/n Volke durch, und die Sadduzäer existierten eigentlich nur noch dem Manien nach. Aber sofort entstanden — wie bereits erchähnt — innerhalb der siegreichen Pharisäerpartei zwei Pareien, die strengere, partifillaristische. intolerantere, die nach dem Namen des strengen Synrdrialhauptes Schatnwai sich nennt, und die mildere, universalistische, tolerantere, die nach dein Namen des Synedrialpräsidenten Hillel sich nennt.! Von Hillel besitzen wir eine Fülle ethisches, allgemein menschlicher Sentenzen, die zu den Perlen der Weltliteratur gehören unh sich meist in der schon erwähnten talmudischen Sammlung von Aussprüchen großer Männer finden. „Sei ein Schüler Aarons", pflegte er zu sagen, „friedliebend, ftiedenstiftend, liebe die Menschen und gewinne sie für die Religion". „Nichte deinen Nächsten nicht, bis du an seine Stelle gekommen". „Wiis dir nicht gefällt, das' tue einem andern nicht, das ist die ganze jüdische Religion, alles andere ist nur Erklärung dazu." Ich muß über bic sympatische Gestalt Hillkls, ich muß über die Streitigkeiten der Schüler Hillels und Schanrmai's rasch hinwegeilen. Die politischen Ereignisse drängen sich in dieser bewegten Zeit mächtig in den Vordergrund; die theoretischen Streitigkeiten, die sich innerhalb der vier Schulwände abspielten, wurden abgelöst von den politischen Streitigkeiten der um ihren Bestand käippfenden Nation. Rom sandte seine Legionen gegen das ob der unerhörten , Erpressungen der geldgierigen Prokura-toren aufsässige Volk. Alle Polkskraft wur^e absorbiert von dem letzten Verzweifluntzskampfe. Jüdisch-nationaj und jüdisch-religiös waren alle Parteien, aber den Zeloten und Sikariern, den Chauvinisten des alten Jerusalem standen die- Gemäßigten, die Friedensfreunde gegenüber. Allein ihr Wort verhallte im lärmenden Waffengrtöse. Das Schicksal des jüdischen Volkes eilte seiner Vollendung entgegen! Jerusalem fiel, der Tempel jging in Flammen auf, ein Blutstrom floß, wie ein glter Bericht erzählt, vom Techpelberge bis zum Mittelländischen Meere. Der stolze Traum nationaler Herrlichkeit war ausgetränmt. Rom hatte gesiegt. Aber damals gerade, als Jerusalem fiel, als die nationale Herrlichkeit Palästinas in Trümmer sank, trat das Judentum seinen Eroberungszug durch die alte Welt an. Damals gingen die Saaten auf, die das alexandrinische Schrifttum in die Heidrnwelt gestreut, damals strömten die Hunderttausende ja Millionen der römisch-griechischen Welt dem Judentum zu. Und damals trat — im Zusammenhang jmit dieser gewaltigen Bewegung, die die Heidemvelt dem Judentum zutrieb — bcr| folgenschwerste Wendepunkt, das zukunftsreichste Ereignis \w der Geschichte des Judentums ein: tzie Entstehung des Christentums. j t

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