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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-02-01 · Heft 2 (1.2.1903) · p. Seite 31

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 2 (1.2.1903)
Date
1903-02-01
Page
Seite 31 (sequence 9)
Language
German
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1 31 die Reformer nur an einen geistigen Messias, an ein MessiaSreich glauben u. s. w. Aber, wer tiefer sieht, weiß, daß diese kleinlichen Unterscheidungen nur Symptome sind, und daß es im Grunde bei dem Unterschiede zwischen den heutigen Parteien lediglich daraus hinausläuft: Soll das Judentum in seiner alttraditionellen Gestalt bewahrt werden und sich immer mehr nur in sich einspinnen, oder soll das Judentum den veränderten Zeiten sich anbequemen und seine Pforten öffnen, mit andern Worten: Soll das Judentum partikularistisch oder universalistisch sein? Die kleinlichen Differenzpunkte wechseln wie die Zeilen und die Moden, so daß einem folgenden Jahrtausend die früheren Unterscheidungen kaum mehr verständlich sind, aber der tiefe Unterschied zwischen Partikularismus und Universalismus bleibt und zieht sich gleichmäßig durch alle Geschlechter. DaS Interessante und Bemerkenswerte an der jüdischen Geschichte aber ist, daß jedesmal, wenn eine universalistische Richtung durch eine partikularistische abgelöst wurde, in dieser neuen partikularistischen Richtung alsbald wieder die zwei alten Gegensätze, die zwei latenten Energieen sich zeigen, so daß die siegreiche Partei sich selbst wieder in zwei Parteien spaltet mit denselben Gegensätzen wie yjlrdem. Die vormakkabäische hellenistische Richtung war innerhalb des Judentums cndgiltig besiegt, die Hellenisten waren entweder tatsächlich zum Griechentum übergegangen oder zum Judentum zurückgekehrt. Der jüdische Partikularismus feierte Triumphe, da, kaum war der Kampf beendet, kaum erklang die Friedensposaune, da spaltete sich das Judentum wieder in die beiden Parteien der Pharisäer und der Sadduzäer. Im Volk siegte die Partei der Pharisäer. Das Synhedrium und die Schulen waren von ihnen beherrscht, ja selbst die Hasmonäer auf dem Königsthron beugten sich nach dem Tode Alexander Jannais vor ihrer wachsenden Macht. Da wiederholte sich in dieser siegreichen Partei der Pharisäer das alte Schauspiel. Die große volksbeherrschende Partei zersplitterte sich in zwei Schulen, die eine mit universalistischer, die andere mit partikularistischer Tendenz. Diese Schulen waren die Schulen Hillels und Schammai's. Hillel und Schammai lebten in der politisch erregten Zeit des ersten Herodes, jenes Herodes, der die ganze haSmonäische Fürstenfamilie hinmordete und durch seine Hinneigung zu Rom und zu römischen Sitten den nationalen und religiösen Gefühlen seines Volkes schmerzliche Wunden schlug. Das Volk haßte den aufgezwungenen fremden Fürsten, wie er das Volk haßte. Charakteristisch für Herodes' Verhältnis zu seinem Volk ist sein Gebot, das er von seinem Krankenlager erließ, man solle bei der Nachricht feistes Todes die Häupter der Pharisäer, die Angesehensten des Volkes, hinrichten, damit sein Todestag nicht zu einem Freudentag füp die Pharisäer werde. Unter der Regierung dieses Fürsten nahm die partikularistische, Rom feindliche Tendenz im Volke mächtig zu. Damals entstanden viele AbsonderungSgesetze,

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