Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 14 - I Wie wenig Harnack mit dem Wesen der jüdischen Ethik, die erst neuerdings durch Herrn Prof. Lazarus eine sa eingehende und gediegene Darstellung erfahren hat, vertraut ist, zeigt seine Aeußerung: „Jesus löste mit scharfen Schnitte die' Verbindung der Ethik mit dem äußeren Cultus und den technisch religiösen Uebungen. Er wollte von dem tendenziösen und eigensüchtigem Betriebe guter Werke in Verflechtung mit dem gottesdienstlichen Ritual schlechterdings nichts mehr wissen." In diesem Satze liegt eine völlige Verkennung der jüdischen Ethik, die noch nicht erreicht, geschweige denn über rüffelt ist. Man war sich gerade im Judentum des fundamentalen Unterschiedes zwischen dem Sittengesetze und dem Ceremonialgesetze stets voll und ganz bewußt Und so trägt denn auch die Persönlichkeit Jesu ganz das Gepräge des Judentums an sich All sein Streben und Handeln, sein Fragen und Fühlen, sein Sprechen .und Schweigen trägt den Stempel des jüdischen Idealismus an sich. Wir wollen hier noch zum Schlüsse aus der sehr lesenswerten Schrift des Herrn Di'. Beck Folgendes he-'vorheben: Gegen den Stifter des Christentums hegt das Judentum schon deshalb nur Liebe und Ehrerbietung. Man fabelt oft von dem Hasse des Judentums gegen das Christentum, -einen solchen hat es nie gegeben. Eine Mutter haßt ihr L ind nicht, aber das Kind hat seine Mutter oft vergessen und verleugnet. Das Christentum hat oft bitterlich wenig von dem Geiste seines Stifters gezeigt. Es liegt dem jüdischen Theologen fern, eine Religion, die eine gewaltige, weltgeschichtliche Sendung erfüllt bat und noch erfüllt, einen Glauben, der die Gemüter! von Millionen beseligt, getröstet und aufgerichtet hat, etwa nicht anzuerkennen odck gar zu verletzen oder herabznsetzen. Aber Einspruch muß er erheben, wenn Apologie sich als Geschichte ausgiebt und sich der geschichtlichen Ungerechtigkeit als Waffe bedienen zu dürfen glaubt. Auffallend häufig^ KrankHeitserscheinungen der Juden. Während in den östlichen Ländern die Erscheinung, daß die Inden gewissen Krankheiten mehr wie die anderen Bewohner ausgesetzt sind, auf das Ghetto und seine traurigen hygienischen Zustän)e zurückzuführen ist, haben die Inden im Westen, welche im abgelaufenen Jahrhundert eine schwere Kulturarbeit an sich vollzogen haben, auch heute noch sehr unter dem nervenaufregendem Konkurrenzkampf um das materielle unb. Listige Daftin zu leiden, so daß auch bei ihnen gewisse dadurch bedingte Kransteitserscheinungen häufiger wie bei den anderen Mitbürgern anzutreffen sind. I In Rußland ist die trostlcse soziatökonomische Lage der Juden einzig und allein die Ursache ihrer schlechten Leihesbeschaffenheit, welche sich besonders darin äußert, daß durch Vererbuyg und Lebensweise der Schädelumfang der Juden im