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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-01-01 · Heft 1 (1.1.1903) · p. Seite 13

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 1 (1.1.1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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13 jüdischen Volkes, unbek annt geblieben, der bekanntlich den Inhalt der ganzen Gotteslehre in einem Satz znsammenschlosz oder Akiba, der die ganze Religion in dem Gebote der Nächstenliebe enthalten glaubte, oder Ben Asai, dem das Wort von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen Alles umfaßte? Wenn auch Hqrnack sich der Wahrheit nicht verschließen kann, das; Jesu in seinem Volte eine reieve und tiefe Elhik vorsand und auch zugibt, das; das was er verkündete auch bei best Propheten und sogar in der jüdischen tteberlieserung seiner Zeit zu finden war, jü kann er sieb doch der von Wellbanien ansgegebenen, das Judentum degradierenden Parole nicht entziehen, daß daneben, neben den Ethik nämlich, auch leider npch vieles Anderes gefunden werde, als n-äre dasselbe nicht auch in der christlichen Litteratnr der Fall, in der auch noch vieles Andere, nicht * gerade Schönes und Erhabenes anzutrefsen sei, wie man ganz besonders in Herrn Harnack's Schriften Nachlesen kann. Harnack kann sich nicht frei davon machen, die eigene Religion nach ihren edelsten, reinsten und höchsten Eckeinenten zn beurteilen, das Judentum hingegcn nach gelegentlichen Änswüchien und zeitweiligen inferioren Erscheinungen, und zeigt damit so recht, das; gerade ihm der freie Blick für das Lebendige ans dem er! sich so viel zn gute timt völlig abgeht. Ja Jesu Geist ist - der Geist der vielge^chmähten Rabbiner, jeder seiner Aussprüche, jede seiner Parabeln, jedes feiner| Trostesworte zeigt den Jünger der Rabbiner und ist Geist von unserem Geiste. In eine ganz eigentümliche Beleuchtung wird die geschieht- - liche Auffassung gerückt, die allen Ernstes erklärt, das; Feilt nicht wie ein berufsmäßiger Lehrer geiuirfit i)at, die es in diesem Sinne aus dieser höheren Stufe überhaupt nicht gegeben fntt, weit die Lehrer, Handwerker, Ackerbauer und Gewerbetreibende lvaren, die die Lehre weder als Erwerb noch als Geschäft betrieben haben. Von großer Unkenntnis der Zeitgeschichte Jesu zeigt es, wenn Harnack behauptet, daß bei den Pharisäern das Interesse für die Kultus und Br die kultische Gerechtigkeit die Teilnahme für die Armen und die Barmherzigkeit znrückgedrängt habe, da man im Gegenteil um jene Zeit lvie nie, sich der wirtschaftlich Schwachen mit Liebe und Energie angenommen. Turch die ganze pharisäerische Lirreratnr zieht sich der sichtliche Respekt vor der Armut hindurch und nicht etwa nur das bloße warme Mitleid mit ihr. Was Harnack also über diesen Punkt vb,reibt ist ersonnen und erfunden und zeigt, daß das, was man in keiner anderen Winenicbaft wagen würde, in der Geschichte des Judentums straflos begangen lverden darr. Und weil Harnack die Zeitgeschichte Jesu nicht richtig ersaßt hat, darum versteht er auch nicht die Sätze des Evangeliums historisch zu werten Harnack's Behauptung, daß erst durch das Evangelium der Wert jeder einzelnen Menschenseele, jeder armen Seele hergestellt wurde istfalsch, denn abgesehen von den Propheten, finden sich auch in dem freilich nicht gekannten, aber um desto mehr verkannten Talnind Save wie: „Jede Menschen- ., seele ist mehr wert als^die ganze Welt". — „Um jedes einzelnen Menschen willen ist die Welt erschafseii<>worden".

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