Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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11 grundlegenden talmudischei Satz in Bezug auf den Sabbat ins Auge fassen: „Der Sabbak ist Huch übergeben worden, aber Ihr nicht dem Sabbat". (Joma 85a), oder den Satz: „Man darf keine Vorschriften geben, bei denen die Gemeinschaft nicht bestehen kann (B.-Batra 60 d). Karnack's Vorlesungen über das Wesen des Htzriltentums. Van Or. Leo Beck, Rabbiner in Oppeln. Zweite vermehtte Auflage. Breslau, Verlag von Wilhelm Köbner. Die von Prof. Hhrnack veröffentlichten Borlesungen über das Wesen des Christentums haben sowohl durch ihren Inhalt, wie durch die formvollendete Darstellung, in den weitesten greifen berechtigtes Aufsehen erregt und Fachmänner der verschiedensten Richtungen! zur Stellungnahme zu denselben veranlaßt. Erfreulicherweise haben auch Rabbiner in Deutschland sich angeregt gefühlt, diese Schrift, in der der Natur des Stoffts nach, immer wieder und wieder auf das Judentum der Vergangenheit hingewiesen! wird, nach dieser Seite einer kritischen Prüfung zu unterziehen, die nach dieser Richtung hin nicht zu Gunsten Harnack's ausfallen kann, da er, währenddem er dem Christentum gegenüber sich einer nichts zu wünschen übrig lassenden Objektivität befleißigt, im Bezug auf das Judentum in den Fehler verfällt, welche man sonst nur bei -konservativen, altgläubigen Theologen anzutreffen gewohnt ist, die bei ihren Auslassungen von kritischen Gesichtspunkten sich nicht leiten lassen- So hat denn Herr Di'. Heck in dieser seiner sehr beachtenswerten Schrift mit vielem Geschicke auf den Gegensatz zwischen dem Plane und der Ausführung in dem Harnack'schen Buche hingewiesen, der seinem Prinzip nicht treu geblieben, die Frage: Was ist Christentum? lediglich im historischen Sinne mit den Mitteln der geschichtlichen Wissenschaft zu behandeln und mit der Lebenserfahrung, die aus erlebter Geschichte erworben ist. Die beiden Grundfehler des Harnack'schen Werkes sind die zu Tage tretende apologetische Absichtlichkeit^ und die durchweg mangelnde Berücksichtigung der jüdischen Litteratur, ohne die ein! richtiges Verständnis über das Wesen des Christentums nicht möglich ist. Zur Beurteilung der Harnack'schen Schrift eignen sich am besten seine eigenen Worte, die ex gelegentlich einer kritischen Beleuchtung von „Häckels Welträtsel" geäußert: lieber biblische Schriften darf man Thatsachen behaupten und Beweise bei Seite schieben^ darf in den Tag hineinsprechen, ohne sich um die wissenschaftliche Arbeit zu kümmern und kann dabei seine Reputation als Gelehrter und Professor behalten. Dabei verfällt Harnack noch in den Fehler, nicht genau den Unterschied zwischen dem, was in einer Zeit, die er behandelt, die bedeutungsvoll