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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-01-01 · Heft 1 (1.1.1903) · p. Seite 9

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 1 (1.1.1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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dasselbe für den Einzelnen die Erhebung und für die Gesamtheit die Erhaltung | bewirkt. . | Für die Erhebung des Einzelnen bilden die Glaubens- und Sittengesetze Z den wichtigsten Teil der Religion, wahrend die eigentlichen Ceremonialgesetze nur | mittelbar diesem Zwecke dienen. Was aber den Bestand und die Erhaltung des \ Gesamtjndeiitiuns betrifft, ist das Verhältnis ein geradezu umgekehrtes; das Sitten- | gesetz bildet hier nur die unentbehrliche Voraussetzung, gleichsam die Vorstufe, das | Eeremonialgesetz hingegen den wichtigeren Teil, indem es das Volk gegen äußere j anslösende Einflüsse schützt und eine Scheidewand bildet, undurchdringlich für Alles, > 1 was den Zusammenhang des Volkes schwächen und seinen historischen Charakter | vernichten könnte. Diesen grundlegenden zeitgemäßen, die verschiedensten Richtungen j| und Parteien innerhalb des Judentums zur Einheit und Einigkeit führenden Ge- | danken hat auch bereits der geniale Denker und Dichter Jehnda Halevi erkannt, lvenn er das Sittengesetz nur als die Vorstufe bezeichnet und dem auf demselben .1 sich erhebenden Ceremonialgesetze erst die straft zuschreibt das jüdische Volk für seine prophetische Mission auszurüsteu. Es nnrd sich freilich dann darum handeln zu prüfen, zu sichten und klar zu erkennen, welche Ceremonialgesetze in Wahrheit zur Erhaltung des Judentums unbedingt notwendig sind) und welche nur durch ihr Alter geheiligt, die Existenz des Volkes erschweren ohne zur Erhaltung der durch dasselbe gelehrten, es charak- - terisierenden Wahrheit beizntragen. Schon in früheren Zeiten hat besonders der Essäerorden vergeblich den Kampf gegen die Gesetzesreligion des Judentums auf- J genommen und ans sich das Ehristentnnl heransgeslaltet, welches in seiner späteren Entwicklung den Kampf gegen da§ Judentums als Religion des Gesetzes auf allen Linien aber ohne Erfolg im Bezug auf das rechte unverfälschte Judentum fort» geführt hat. Zwar trug' das Chriftentlun durch Aushebung des Gesetzes viel zur Verwirklichung des prophetischen Ideales bei, das; der Gott Israels einst von allen Völkern anerkannt werde, aber um den teueren Preis das erhabene Wesen der Religion, den reinen Gotjtesbegriff heidnischen Einflüssen preisgegeben zu haben. Zn früh hat das Christentum, die das Judentum schützende Scheidewand eingerissen, denn die reine Gottesidee und das ans ihr stammende jüdische Sittengesetz konnte das schützende Gesetz itotf) nicht entbehre!; Ans Opposition gegen das immer mächtiger gewordene und immer weitere Kreise erfassende Heiden-Christentum wurde von jüdischer Seit^ das Ceremonialgesetz noch weiter ansgebant und allerdings nicht zeitgemäß umformt Wir stehen heute auf einem anderen Standpunkte und wenn auch kein einziges der Ceremonialgesetze ohne vorherige Prüfung aufzugeben ist, soll auf der anderen Seite keines beibebalten werden, das die Prüfung aus seine Notwendigkeit imb Nützlichkeit nicht bestehen kann, denn nur so kann das Prophetentum erfüllt werden, und nur so können die Wege gebahnt werden zu dem

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