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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-01-01 · Heft 1 (1.1.1903) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 1 (1.1.1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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— 5 — s/ der Einsetzung des Pesachfestes, denn das ist das erste Gebot, das dem Volk Israel gegeben wurde. Allein die Thora sollte aber nicht nur ein Gesetz sondern eine Lehre und sie sollte nicht nur ein Buch für Israel sondern für die Menschheit sein: Gott wollte sich nicht nur als Gesetzgeber Israels, sondern als Schöpfer der Welt und Gott aller Völker offenbaren *). Das Zweite, was uns die Bibel lehrt, ist das, daß alle Menschen von einem Stammvater, Adam abstammen, und daß nach der Sündflut wiederum e i n Stammvater, Noah, es gewesen, von dem alle Menschenrassen, alle Nationen der Erde ausgingen. So lehrt Israel, als das einzige Volk des Altertums, die Verwandtschaft und die Ebenbürtigkeit aller Menschen. Diese Lehre ist dem Judentum in Fleisch und Blut übergegangen. „Warum", so fragt der Talmud, „wurde ein einziger Mensch geschaffen als Stammvater aller Menschen? Damit nicht später ein Mensch zum andern, ein Volk zum andern sagen könne: Mein Stammvater war ans edlerem Blut als der deine! Du gehörst zu einer minderwertigen Rasse!" Und als einmal zwei der größten Lehrer des Judentums mit einander diskutierten, welches der wichtigste Satz in der ganzen Bibel sei und Rabbi Akiba meinte: „Du sollst deinen Schöpfer lieben wie dich selbst", da erwiederte ihm Ben Asai: „Wichtiger ist der kleine Satz, ans welchem die Thatsache hervorgeht, daß alle Menschen von Adam her Brüder sind, der kleine unscheinbare Satz: Das ist die Entstehungsgeschichte des Menschengeschlechts!" Aber — vergißt nicht die Bibel ihren Universalismus, sobald sie von der Schöpfungsgeschichte zur Geschichte der Patriarchen übergeht? Schließt die Auserwählung Abrahams und seiner Nachkommen nicht die Verwerfung der Nicht- Abrahamiten in sich? So höre man, was ein gelehrter deutscher Bischof, der nicht nur die Bibel, sondern auch den Talmud in der Ursprache zu lesen verstand **), über diese Auserwähluug Abrahams äußert: „Der Schein des Adelsstolzes, der durch die Auserwählnng Abrahams begründet wird, wird sogleich zerstört, sobald man vernimmt, in welcher Art Abraham und das von ihm stammende zahlreiche Geschlecht anserwählt ist. Er ist auserkoren und soll Stammvater eines mit ihm erwählten Volkes werden, damit alle Nationen gesegnet würden. Diese Begründung der besonderen Stellung des jüdischen Volkes macht es unmöglich der Urkunde der mosaischen Offenbarung einen Geist der Ausschließlichkeit zuzutrauen. Nicht nur nach rückwärts, hinsichtlich der Abstammung sind alle Menschen gleichgestellt, — sondern auch für die Zukunft. Das, was aus Abrahams Stamme kommen muß, soll für alle Nationen ohne irgend eine Ausnahme ein Segen sein. Die UeDmeimiu] ist nicht wörtlich, sondern dem 2itnte nach: alten Gedanken ist eine moderne Javung gegeben. **) D. B. Haneberg, Gesch. der bibl. Offenbarung p. 43 ff.

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