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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1903-01-01 · Heft 1 (1.1.1903) · p. Seite 3

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
23 (1903)
Issue
Heft 1 (1.1.1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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3 Offenbarung und das Gesetz für Israel allein bestimmt, alle anderenBölker ausschließend? Ist nicht Moses nur an sein Volk gesandt? Bezieht sich nicht der weitaus größte Teil der mosaischen Gesetzgebung nur auf istaelitische Zustände, aus Israels National- Heiligtum, nationalen Boden, nationale Geschichte? Wird nicht der Partikularismus in nackten Worten dem Volk geboten? Heißt es nicht: „Hüte dich, daß du keinen Bund schließest mit den Bewohnern des Landes". „Du sollst dich nicht verschwägern mit ihnen", „denn du bist ein heiliges Volk deinem Gott, und dich hat dein Gott erkoren, daß du ihm ein Volk des Eigentums seiest, ein auserwähltes Volk von allen Völkern auf der Fläche des Erdbodens"? Und steht nicht dasselbe bei den Propheten geschrieben: „Wenn es euch aber in den Sinn kommen sollte, daß ihr sprächet: Wir wollen sein wie die Völker aller Länder und Holz und Stein anbeten, das soll nimmermehr geschehen?" Hieße es nicht der Wahrheit ins Gesicht schlagen, wenn man behaupten wollte, diese Stellen sprächen nicht von Partikularismus? Und hat Israel nicht in der That während der biblischen Zeit sich unduldsam erwiesen? Hat es nicht die kananitischen Völker ausgerottet? Hat es nicht die Samaritaner, die sich ihm anschließen wollten, zurückgestoßen? Saß es nicht wie ein geiziger Mann bei seinen Schätzen und verschloß sie ängstlich in Truhen und Kasten vor dem Auge der Welt? Oder wann hätte es je Verlangen getragen, seine Religion zur Weltreligion zu machen und die anderen Völker mit seiner Wahrheit zu beglücken? Hat Professor Pfleiderer darum nicht Recht? Und haben nicht alle Jene Recht, die das Judentum partikularistisch und nur partikularistisch nennen? Nun, es giebt zwei Methoden, etwas zu beweisen. Nach der einen geht man von einer allgemeinen Annahme aus, die für einen fest steht, und sucht die Richtigkeit dieser Annahme an einzelnen Beispielen nachzuweisen. Es behauptet zum Beispiel Jemand, die Welt wird immer schlechter. Das ist eine allgemeine Annahme, zu der Jemand durch irgend welche Gedankenverbindung oder fremde Einwirkung gekommen ist. Um seine Annahme zu beweisen, führt er nun verschiedene Thatsacheu an. Natürlich wird er nur das anführen oder wird ihm nur das überhaupt einfallen, was ihm zur Stütze seiner Behauptung dienen kann. Alles wa^ dagegen spricht, wird er entweder übersehen, aber durch Scheingründe abweisen oder — er wird es absichtlich unterdrücken und unerwähnt lassen. Darum kann bald darauf ein Anderer kommen und das Gegenteil behaupten und zum Beispiel sagen: Die Welt wird immer besser. Dieser Andere wird alle übersehene oder zurückgewiesene oder totgeschwiegene Gründe des Gegners als Gründe für seine Behauptung anführen und die Gründe des Gegners wird e r hinwiederum zu erschüttern suchen. Das ist das eine Beweisverfahren. Das astdere Beweisversahren schlägt einen entgegengesetzten Weg ein. Die Wirklichkeit der Dinge wird vorurteilslos geprüft, vor-Urteilslos im wörtlichen

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