Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1894)
- Date
- 1894-12-01
- Page
- Seite 287 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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287 mittelalterliche (vor allem kanonische) und neuere Recht cingewirkt hat, sondern auch ganz besonders in Bezug ans das Vergcltungsprineip selbst das geltende Recht so stark beeinflußt hat, daß ein anderer Schriftsteller (Güntler: die Idee der Wiedervergeltung, Erlangen 1889 S. 436) sagen konnte: „Selten haben die eigentümlichen Grundanschauungen eines Volkes auf dem Gebiet des Strafrechts einen so allgemein maßgebenden Einfluß in allen civilisiertcn Ländern ansgeübt, wie das der Israeliten. Tr. L. W., Frankfurt a. M. — Im Verlage von Victor Fritsche in Esseg ist erschienen: Ter Brief bei den alten Hebräern, Römern und Griechen kulturgeschichtlich dargestellt von Tr. Samuel Spitzer, Oberabbiner in Esseg. Der Verfasser, durch verschiedene archäologische Studien rühmlich bekannt, hat in vorliegendem 239 Seiten umfaßenden Buche, seine Forschungen über den Brief niedergelegt und dieses Thema mit vieler Sachkenntnis und Hingebung behandelt. Wir wollen aus der gediegenen Schrift, die nur hiermit bestens empfehlen in unserem Referat einiges aufnehmen. Das Wort Brief stammt aus dem Lateinischen „Brevis" und bedeutet ursprünglich eine kurzgefaßte Mitteilung. Ter älteste deutsche Briefsteller erschien zu Augsburg 1484 von Anton Sorg. Die Phönieier besaßen am frühesten die Buchstabenschrift, von welchen sic zu den Hebräern überging. Die Hebräer sollen sich schon frühzeitig der Thierhäute zum Schreiben bedient haben. Interessant ist, was der Verfasser Seite 29 und 30 über Embleme auf Petschaften mitteilt, woraus die Gepflogenheit hervorgeht, sinnbildlich Lebensstellung oder Anschauung in dem Siegel auszudrücken. Für die Geschichte der Pädagogik ist beachtenswert, daß die alten Hebräer den einzelnen Buchstaben, Formen und Namen von bekannten Hausthieren und Hausgeräthen gaben und daß sie an jeden Buchstaben einen lehrreichen Spruch reihten. Die Taubenpost war den Juden schon bekannt, wie aus dem neuen Tastament und Talmud zu ersehen ist. Inschriften wurden in Stein und auch in Hotztafeln gegraben. Auch Leinwand soll als Schreibmaterial benutzt worden sein. Palmblätter wurden zu Briefen benutzt. Die Chinesen haben schon in uralter Zeit Papier fabriziert; 704 wurde es den Arabern bekannt, von diesen lernten es die Griechen und dann kam es nach Spanien und Italien. Tie Bibel von Gutcnberg 1450 war noch auf Pergament gedruckt. Das älteste Geräth, womit man schrieb war der Griffel, er wurde aus Eisen angefertigt und dienst auch als Waffe. Später gab es auch Griffel aus Bronee und Bein. Das Schilfrohr „stulainus" wird auch im Talmud erwähnt. Die Feder in unserem Sinn ward erst 036 besungen. Die Stahlfeder, deren Erfindung man James Perry zllschreibt, ist älter wie man gewöhnlich glaubt, da schon die Kirchenpatriarchen mit Metallfedern ihren Namen unterschrieben. Seite 211 u. s. w. findet sich ein interessanter Bericht über Stil-, Schreib- und Sendregeln des Briefes. Die Leser werden die äußerst lehrreiche Schrift des fleißigen Forschers auf dem Gebiete der Alter-