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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-12-01 · Heft 12 (1.12.1894) · p. Seite 276

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 12 (1.12.1894)
Date
1894-12-01
Page
Seite 276 (sequence 12)
Language
German
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Wesen besitzen wir keine sinnliche Vorstellung. Die Tiere, als nnsrere nächsten Verwandten, erachten wir als unter uns stehend. Zn werden, wie eines von ihnen würden wir als Degradation empfinden. Die Erfinder der Märchen, die zeitweilig Menschen in Tiere verwandeln, oder jener Glaube, der eine Scelenwanderung anniinint und die Seele des Bösen zur Strafe in ein Tier fahren läßt, haben ganz recht. Die Bcrloandlnng des Menschen in ein Tier, wie dieselbe auch immer gedacht wird, wird von jenen, als tiefe Demütigung empfunden. Wir wollen bleiben was und wie wir sind. Doch nicht darauf kommt es an, was wir wollen, empfinden »nd wofür wir uns halten, sondern, wenn wir uns für bevorzugt anschcn, worin dieser Vorzug besteht und ob es für den Materialisten einen solchen geben kann. Nun mag es in der That wie Unterschiede, so auch Vorzüge des Menschen vor den anderen Geschöpfen geben. Für den Materialismus — und von dem sprechen wir vorläufig — gibt es keine und darf es keine gehen. Nach ihm wirkt die Natur den ewigen Gesetzen gemäß, die in ihr walten. Sie schafft ihre Wesen aus sich dem Zwange gehorchend. Wenn hier eine Pflanze, dort ein Wurm, ein Vogel oder ein Mensch entsteht, ist es ihr gleichgittig. Sie will keines ihrer Wesen benachteiligen, keines bevorzugen. Schon darum nicht, weil sie keinen Willen hat, d. h.. eine mit Absicht auf ein bestimmtes Etwas gerichtete Thätigkeit. Es ist ihr gleichgittig ob sich diese und jene Wesen niit einander vertragen, sich fördern oder gegenseitig befeinden, den Vertilgungskrieg mit einander führen. Wie das Feld, dessen Ertrag heute von einem Heuschreckenschwarin bis auf den letzten Stengel verzehrt! wurde, im nächsten Jahre unter sonst gleichen Bedingungen, dieselbe Frucht hervorbringeu wird, ohne sich viel darum zu kümmern, daß diese von einen, Heuschreckenschwarme wieder vernichtet werden könnte, so wirkt und schafft die Natur in allen ihren Hervorbringungen, im Großen und Ganzen. Wie ein liebloser Vater seine Kinder in die Welt schickt, ohne sich weiter »in ihre Geschicke zu flimmern, so schert sich die Natur nicht um die Dauer und den weiteren Bestand ihrer Geschöpfe. Sic setzt sie in die Welt und überläßt sie ihrem Schicksal. Nur mit dem Unterschiede, >daß sie jedem Wesen die für ihn passende Waffe znr Verteidigung mitgibt. Auch die lang verbreitete Meinung, daß die Natur für Erhaltung der Arten Sorge trägt, läßt sich nicht aufrecht halte». Ich möchte dies nicht mit der Bemerkung abthnn,^ daß sich die Natur überhaupt keine Sorge macht, sondern bin der Ansicht, daß der Materialismus auch! konsequent sein müßte.' ' Abgesehen davon, daß wir es nicht wissen, wie viele Arten und Gattungen i», Laufe der Jahrtausende untergegangen sind, ferner manckje Art, von der wir einige Kenntnis erhalten haben, für ansgcstorbcn gilt, nnsßte er sagen: Wie es der Natur gleichgittig ist, ob dieser oder jener Hase existirt, so ist es ihr auch gleichgittig

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