Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1894)
- Date
- 1894-12-01
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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275 hervorgegangen. Von einer Bevorzugung weiß die Natur nichts. Ferner ist, wie oben bereits erwähnt, nicht alles Seiende dem Heile des Menschen dienlich. Weder alle Tiere noch alle Pflanze», weder alle Naturnoch alle geschichtlichen Ereignisse sind dazu angethan, dem Zwecke des Menschen zu dienen, sein Glück zu fördern. Sobald der Mensch sich einigermaßen seiner Überlegenheit bewußt wurde, entstand ein Kampf zwischen ihm und dem Tierreich. Nach langem Ringen hat er sich einige Tiergattungen unterworfen. Nach vielem Beobachten und Studiren der tierischen Eigenheiten hat er ihre Unvernunft benutzt, sie sich dienstbar zu machen. In derselben Weise ging es ihm mit der Pflanzenwelt und mit dem Segen, den die Erde bietet. Es war überall der Schweiß der Arbeit sichtbar. Mühelos konnte der Mensch nichts erreichen. Tie Natur spendete ihre Gaben nicht sreiwillig. Das Hort der Schrift: „Dornen und Disteln wird dir die Erde Hervorbringen" bewährt sich auf jedem Gebiete. Überall müssen erst die Wege von Dornen gesäubert werden, um ohne Hindernis fortschreiten zu können. Und tvenn wir heute einigermaßen die Wege schon geebnet finden, so haben wir das nicht einer Bevorzugung von Seiten der Natur zu danken, sondern unseren Eltern, die für uns thätig waren, den vorangegangenen Geschlechtern, auf deren Schultern nur stehen. Wir müssen umgekehrt sagen: die Natur mit ihren Kräften und Hervorbringungen tritt uns feindlich entgegen. Verstand und Witz mußten von jeher darauf bedacht sein, schädliche Einwirkungen hintanzuhalten und vielfache Bestrebungen sind auch heute noch dahin gerichtet. Manchen scharfen Stachel hat der Menschengeist der Natur aus der Hand gewunden, gegen Manches kämpft er bis heute und wird wohl ewig kämpfen. Er hat dem Blitze die Gefährlichkeit genommen, er kann durch Vorrichtungen verschiedener Art manche Überschwemmung hintanhalten u. s. w. Er kann aber das Herabfallen einer Wolke ebenso wenig hindern, als er im Stande ist, den Mund der Erde zu schließen, daß sie die in ihr glühenden Stoffe nicht answcrfe. Man braucht auf besondere Ereignisse nicht hinznwcisen um zu erkennen, daß wir trotz des vielen Guten und Schönen, das die Natur uns bietet, uns doch im steten Kampfe mit ihr befinden. Nun ist es ganz eigentümlich. Die Natur, der gegenüber wir im stetem Kampfe begriffen sind, ist — im Sinne der Materialisten — unsere Mutter. Sie wäre nun eine Mutter, die ihre eigenen Kinder verzehren will. Sder, wir sind selber Teile der Natur, andere Teile derselben Natur stellen sich uns feindlich gegenüber. Wir erwehren uns des Angriffes. Wie. wir unser Verhältnis zur Natiir auch aufiassen mögen, mit dem Gedanken des ersten Teiles jener Aufstellung: alles Seiende ist zum Zwecke des Menschen geschaffen, ihm diene alles, muß nun endgültig gebrochen werden. Ebenso ergeht es uns mit dem Gedanken, daß der Mensch das bevorzugteste Wesen sei. Freilich möchten wir mit keinem der uns bekannten Wesen tauschen. Von über uns stehenden \