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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-12-01 · Heft 12 (1.12.1894) · p. Seite 273

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 12 (1.12.1894)
Date
1894-12-01
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
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-- 278 - nach der Vorlesung unsere heilige Thora empor und sprechen: „Dies ist unsere Lehre" (rv'svtb ha-tliora.) Wie heißt das anders, als: Kommet Ihr Alle, die Ihr Euch nach dem Namen Israel nennet und vernehmet, was Eure Religion von Euch fordert. Vor Allem, seid Menschen, wahre, ächte Menschen! Seid bieder und rechtschaffen, ehrlich und redlich im Handel und Wandel, bedrängt Niemanden, nützet niemals die Schwäche und Hilflosigkeit Eurer Mitmenschen zu Eurem Vorteile aus, hütet Euch nicht nur selbst vor allein Niedrigen, Gemeinen, und Unwürdigen, sondern erhebet, wo Ihr es wahrnehmet, Eure Stimme dagegen, machet Euren Einfluß zu Gunsten einer würdigen Lebensführung geltend. Bedenket und beherziget es, daß des Israeliten schiverstc Sünde ist „Chillul Haschen,", Entweihung unserer Religion durch niederes Wort und schlechte That. Beherziget dies insbesondere in einer Zeit wie der gegeinvürtigen, angesichts der Vorgänge, die wir vor unseren Augen sich haben vollziehen sehe», insbesondere, angesichts des Gespenstes des Antisemitismus, das selbst in Kreisen, in denen man sich dessen nie versehen, sein grinsend Haupt erhoben hat, auf daß es sich nicht weiter hervorwage, sondern bald wieder in seinen dunkeln Schlupfwinkel zurückgescheucht werde. Ja, vergesset nie, was die Religion des Judentums durch den Mund des Propheten Euch mahnend zurufet. „Es ist dir gesagt worden, o Mensch, >vas gut ist und was der Herr von dir fordert: Thue nur Recht, erweise Liebe und wandte in Demut vor deinem Gotte."') Seht, das ist ethische Cultur, wie sie das Judentum zuerst der Welt verkündet hat. Freilich darf sie nicht wurzellos sein, sondern sie muß wurzeln im Gottesgcdanke», im Glauben. Wer vermochte denn auch zu behaupten, daß Ethik ohne den Gottesgedanken, ohne Religion überhaupt möglich, denkbar sei! Wohl weisest du hin auf diesen und jenen, der, wie er auch sich dem Glauben entfremdet, durch ideale Lebcnsanschauung, durch edles Thun sich über seinen Kreis cmporgehoben hat. Mag sein, aber wer vermag es, die zarten Fäden auseinander zn legen, die zu solch' edler Denk- und Handlungsweise ihn geführt haben, wer weiß, ob nicht die aus das Göttliche gerichtete Erziehung einer frommen Mutter, eines gottessnrehtigen Vaters Keime in sein Herz gepflanzt, die, ihm selbst unbewußt, zu edler Frucht emporgewachsen sind. Leben wir nicht heute noch von der Erbschaft einer Zeit, vor der die Gottheit als fordernde und gebietende gestanden hat? Nur das soll verhindert werden, daß jeder Kreis ausschließlich in seiner Mitte das Heil, die reine Menschlichkeit, die höchste Volleildung suchen will; daher allein kamen ja die Ausschreitungen um der Religion willen, das entzündete die Fackel der Religionskriege, das ließ die Flammen der Scheiterhaufen emporlodern. * ') Witya 6, 8. ,

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