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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-12-01 · Heft 12 (1.12.1894) · p. Seite 272

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 12 (1.12.1894)
Date
1894-12-01
Page
Seite 272 (sequence 8)
Language
German
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Und, meine andächtigen Zuhörer, zeigt sich denn nicht auch in der That mitten in all dem Schmerzlichen, das unser Auge schauet, mitten in all den Ausbrüchen leidenschaftlichen Hasses, unter denen wir so schwer leiden, auch ein Teil der Erfüllung jener Verheißung, die 'Israel damals ist geworden, daß sich segnen werden mit ihm alle Völker der Erde? Ich schweige von den beiden großen mächtigen, ja weltbeherrschenden nnd welterlöscnden Religionen, die aus dem Schoße des Judentums sind hervvrgegangen und die, wie sie auch oft genug, als Töchter die schuldige Liebe und Ehrfurcht gegen die ehrwürdige, greise Mutter haben vermissen lassen, doch unleugbar zum Segen der Menschheit sind geworden, zur Sittigung der Menschen vieles haben beigetragen. Aber ist denn nicht auch jene religiöse Bewegung, die sich vor unseren Augen vollzieht, die sich insbesondere auch in der Vereinigung der Freunde ethischer Cultur einen Ausdruck geschaffen, zum Teil wenigstens ein Erzeugnis jenes Geistes, der im Jndentnme wurzelt, in ihm Pflege und Ausbildung empfangen hat? Ja, meine Freunde, in einer Zeit, in der man noch immer nicht müde wird, Menschen um des Glaubens willen zu hassen, anzufeinden, zn verfolgen, da hat es etwas Erfrischendes, wahrhaft Wvhlthuendes und Erquickendes, durch eine große Gemeinschaft es aussprechen zu hören: Nicht der Glaube ist das Entscheidende und Ausschlaggebende, sondern die That, die lebensvolle, lebensfrische, sittliche That. Nicht was du glaubst, macht dich mir zum Bruder, sondern wie du handelst, wie du deinem Leben Gestalt gicbst und Form. * Und ist dieser Gedanke denn nicht auch ein ächt jüdischer, wurzelnd in der Lehre und der Geschichte Israels, wurzelnd insbesondere in der Geschichte des Mannes, dessen Lebensgemälde der heutige wie der vorwöchentliche Thora- Abschnitt vor unserem geistigen Auge entrollte? Was rühmet denn die heilige Schrift an Abraham, auf den wir unseren Glauben, unsere Stammesgemeinschaft zurückführen? Sie rühmt an ihm seine warme, innige Liebe zum Frieden, seinen unermüdlichen, selbstlosen Kampf für die Bedrängten, seine peinliche Uneigennützigkeit, seine strenge Gerechtigkeit, seine Gastlichkeit gegen Fremde, sein herzgewinnendes Gebet für Sünder und Lasterhafte, seinen bewundernswerten Opfermut. Mit welcher Sorgfalt, mit welch' liebevollein Eingehen stellet uns die heilige Schrift diese einzelnen Züge vor und zeichnet ihn uns hierdurch, als den Gottesdiener, ja als den ächten und wahren Menschen, dem wir nachzuahmen bestrebt sein sollen! Was ist dies anderes als ethische Cultur? Welche Satzungen und Vorschriften sind es denn, zu deren gewissenhafter Befolgung uns die heilige Schrift insbesondere auffvrdert? die unser Verhältnis zu nnseren Mitmenschen ans eine ethische Basis stelle». Hoch heben wir

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