Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1894)
- Date
- 1894-12-01
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 270 Samarja, die Hauptstadt des nördlichen Reiches,' erobert! und ihre Bewohner fortgeführt. Die Angaben der Kib-l über diele Vorgänge Hecken sich Mit denen der Keilinschriften. Senacherib besiegte auch das südliche Reich; an der Eroberung von Jerusalem hinderte ihn bekanntlich die Pest, die in seinem Lager ausbrach. Trotzdem war es seitdem mit der Selbständigkeit Judas vorbei. Die assyrischen und die hebräischen Nachrichten stimmen hier nicht ganz.miteinander ühereitt, aber sie ergänzen einander in der wünschenswertesten und wührscheinlichsten Weise. Auch die biblische Chronologie, die sich in diesem Zeitraum in arger Verwirrung, befindet, läßt sich glücklicherweise mit Hilfe der Assyriologie berichtigen. ’; Die Propheten hatten ihrem Volke lan ze vorher mii dem assyrischen Strafgericht, das über sie hereinbrechen werde Und mit der Verpflanzung nach Babylonien gedroht. Wer aus den Keilinschriften die gewaltige Macht der Könige von Assur, die Richtung ihrer Eroberungspolitik und ihre Maßregeln zur Sicherung ihres Besitzes kennt und bedenkt, daß die Propheten dies als Zeitgenossen ebenso genau und noch viel genauer kennen mußtnr, wird sich nicht länger über die Wahrsagungen dieser erleuchteten und scharfsinnigen Männer wundern. - Nach dem Falle von Ninive gestatte, die Urkunden der Beherrscher des neubabylonischen Reiches uns keine Controlle über die Angaben der Bibel. Denn es sind uns aus dieser Zeit fast nur solche Inschriften erholten, welche die Bauten Rebuchadnezars betreffen. Doch stimmt es völlig nnt de e sonstigen Politik der Mesopotamischen Herrscher überein, wenn uns die Bücher der Könige berichten, haß nach der Besiegung Jojachin's dieser un) zweihundeittausend seiner Unterthanen nach Babylonien verpflanzt worden sind, und daß ihnen erst fünfzig Jahre äter der Perserkönig . 6 yrus die Rückkehr gestattet hat. . Dieser erzwungene Aufenthalt der Juden in Babylonien ist für die religiöse Entwicklung derselben von großer Bedeutung gewesen. Daß sie aber an den Ufern des Euphrat nicht bloß saßen r nd weinten, beweisen die Contracttäfelchen, die in den Jahren von 1874 und 1879 in den Ruinen von Babylon gefunden worden sind; es sind deren an dreitausend; sie beziehen sich sämtlich auf hie Geschäfte eines Hant eksherrn naincns Je g i b i und seiner Söhne. Der Gelehrte Delitzsch hat scharfsinnig „Jegibi" als „Jakol," gedeutet. Jegibi und seine Söhne waren somit Juden, die einen sehr ansgebreiteten Handel betrieben und große Reichtümer erwarben — die Rothschilds von Babylonien. Die Vergleichung der Ergebnisse der Assyriologie mit den Angaben der ibel führt zu mehreren, wichtigen Schlüssen: diese beiden Quellen unserer Kenntis der orientalischen Geschichte bestätigen un) ergänzen einander; manche Bibelelle die bisher als Wunder belächelt wurde, wird glaublich; manche andere, die I