Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1894)
- Date
- 1894-12-01
- Page
- Seite 269 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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269 Für diesen Abschnitt der Geschichte Israels lassen uns natürlich die Keilinschriften im Stich; denn Berührungen zwischen den Mesopotamiern und den Israeliten sind erst nach der Einwanderung der Letzteren in das gelobte Land wieder möglich. Über die Zustände Palästinas und der angrenzenden Länder vor dem Einbruch Josuas wußte man bisher fast nichts. Nun hat ein Thontafelfund, der im Jahre 1887 in Ägypten gemacht worden ist, darüber unerwartet Licht verbreitet. Eine große Anzahl jener Thontafeln sind nämlich als Depeschen der ägyptischen Statthalter in den genannten Ländern zu betrachten. Ägypten hatte seine Herrschaft über Syrien ausgedehnt; als es aber nicht imstande war, dieselbe machtvoll ausrecht zu halten, erhoben sich allenthalben die Einwohner gegen die ägyptischen Statthalter und gegen diejenigen, welche es mit denselben hielten. Sie wurden zu Wasser und zu Lande angegriffen, aus vielen Städten verdrängt, in andern eingeschlossen und belagert. Dann schrieben sie auf die erwähnten Thontafeln Briefe an den Pharao, in denen sie ihre bedrängte Lage schilderten und dringend baten, ihnen Hilfstruppcn zu senden, sonst werde das Land für Ägypten völlig verloren gehen. Ein Teil dieser Briefe ist aus Jerusalem, genannt llrusalim, schon damals Hauptstadt des Landes, datiert. Bon Ägypten kain keine wirksame Unterstützung, und Syrien machte sich unabhängig; eine bedeutende Anzahl kleiner Fürsten behaupteten, jeder in seiner Stadt und deren Gebiet die Herrschaft; diese befehdeten sich gegenseitig und konnten wegen ihrer Uneinigkeit dem Heere des Josua eineil verhältnismäßig schwachen Widerstand entgegensetzen. Für die Zeit der Richter und die des einheitlichen Königreichs bietet die Assyrivlogie keinen Beitrag zur israelischen Geschichte. Seitdem die großen assyrischen Eroberer ihre Züge auch nach Syrien ausdehnten, befanden sich auch die Könige von Israel, des nördlichen Reiches unter den von ihnen Unterworfenen. Snlmanassar II. gibt in einer seiner Inschriften genau an, wie viel Mann, Reiter und Streitivagen Ahab der Sirilitc (d. h. Jsraelite) zu der großen syrischen Eoalition stellte, die sich gegen die assyrische Herrschaft empört hatte. Die Ruinen seines Palastes zu Ninive bergen unter anderen Sculpturen seine Statue und Reliefs, die seine Thaten und die Ablieferung der Tribute seitens der unterworfenen Völker in der interessantesten und genauesten Weise zur Anschauung bringen. Auch Israeliten befinden sich darunter — das sind die ältesten Porträts von - Israeliten, welche existieren; mehr als 2600 Jahre alt, sind sie doch durch den trefflich dargestellten Typus deutlich erkennbar. Ihr Tribut besteht in Silber und Gold, in Barren und in Kunstgegenständc», welche aus diesen Metallen hergestellt sind. Doch sind die Israeliten erst nach harten Kämpfen und nur für kurze Zeit von Salmanassar unterworfen worden. Tiglatpilesar erwähirt auch Asrija (b. i. der biblische Asarja) von Inda unter seinen Gegnern. Unter Saigon wurde 722