Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1894)
- Date
- 1894-12-01
- Page
- Seite 268 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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des Nimrod enthalten hätte. Aber was die Bibel von ihm berichtet, das; der Anfang seiner Herrschaft Babylonien war, und daß er von diesem Lande nach Assnr zog, entspricht dem Gange der ältesten Geschichte Mesopotamiens. Die Erzählung vom babylonischen Tnrmban läßt sich durch die Keilschriften belegen, und der Turm selbst noch heilte in den Ruinen von Borsippa, ganz nahe bei Babylon, Nachweisen. E» entspricht völlig dem Verhältnisse der steinarmen Euphratebene, wenn die Menschen, die an den Riesenbau schreiten, einander auffordern: „Laßt uns Ziegel streichen!" Thatsächlich sind Lehmziegel das Baumaterial jener Gegend gewesen. Der Turm war ein in Gestalt einer Stufenpyramide errichtetes Heiligtum des Gottes Nebo, das durch mehrere Jahrtausende bis auf die Zeiten des Königs Nebuchadnezar der Vollendung entbehrte. Erst dieser Herrscher ließ die Spitze ansbanen. Aus den Inschriften geht nicht nur die letzte Thatsache, sondern auch das hohe Alter des Gebäudes hervor. Aus Babylonien und zwar aus der Stadt llr, in welcher seine Ahnen lange gelebt hatten und mit der einheimischen Cultnr und Religion vertraut gewesen waren, zog Abraham um das Jahr 2000 v. Ehr. G. als Nomade aus. Zweifellos waren die Sprache und die Eultur, die in Ur ihre Stätte hatten, semitisch. Die semitische Religion hatte einen unverkennbaren Zug zum Monotheismus, aber derselbe war im Laufe der Zeit durch den importirten Götzendienst der benachbarten Sumcrier und durch den Eigenbau eines Sterndienstes fast völlig erstickt worden. Abraham hat die reineren -Überlieferungen gerettet und auf seine Nachkommen vererbt. Aber auch die alten Sagen von der großen Flut und vom Turmbau hat er in treuem Gedächtnis mitgenommen und seinen Kindern und Enkeln wiedcrerzählt. Aus den Keilinschriften wissen wir, daß zur Zeit Abrahams die Könige von Elam die Oberherrschaft über Babylonien ausübten. Hier ergänzt die Bibel die Lücken der Assyriologie, indem sie in schlicht-historischer Weise von dem Feldzuge des Königs Kedorlagomer von Elam und seiner Vasallen 'gegen Sodom und Gomorra und deren Verbündete, sowie von dem kraftvollen Eingreifen Abrahams erzählt. Diese Stelle der Genesis macht so sehr den Eindruck eines wahrheitsgetreuen und verläßlichen Berichtes, daß mau an den mitgeteilten Thatsachen, speciell daran, daß Abraham eine historische Persönlichkeit gewesen ist, niemals hätte zweifeln dürfen. Eine teilweise Bestätigung sindet sich noch überdies darin, daß einige der von der Bibel genannten Königsnamen in den babylonischen Urkunden sich Nachweisen lassen. Wenn sich alsoj die Angaben der Bibel über so alte Vorkommnisse als völlig glaubhaft erwiesen haben, so wird man auch den Erzählungen aus. späterer Zeit, besonders denen über die Ereignisse in Ägypten und über die Wanderung durch die Wüste mehr Vertrauen entgegenbringen müssen, als von den Bibelkritikern vielfach geschehen ist.