Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1894)
- Date
- 1894-12-01
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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267 zwei Euphratarmen jene vier Ströme bilden, in die sich nach der Angabe der Bibel der Strom des Paradieses teilt. Wie eine Illustration zu Moses I, 2. nimmt sich ein Thoucyliuder aus, der in Mesopotamien gefunden worden ist, und dem wir in folgenden zu beschreiben versuchen werden: derselbe stellt in der Mitte einen Baum mit Früchten dar; links und rechts von dem Baume, in dem man unschwer den Baum der Erkenntnis finden wird, ftfeettein Mann und ein Weib, die Hände nach den Früchten ausstrcckend. Hinter der Frau aber steht aufrecht eine Schlange — denn erst »ach den Sündenfall ist bekanntlich die Schlange verurteilt worden auf dem Bauche zu kriechen. Mehrere Generationen später nötigte die Verderbtheit der Menschheit den Schöpfer zu dem großen Strafgericht der Siindflut; Noahs Familie war die einzige, die demselben entging. Ans dem gleichen Grunde beschließt nach dem Jsdubar-Epos in Assurbanipals Bibliothek der Gott Bel eine gewaltige Flut über die Erde hereinbrechen zu lassen und das ganze Menschengeschlecht zu vertilgen. Einige der Götter wünschen wenigstens den tugendhaften Sitnapischtim zu retten, und der Gott Ea gebietet ihm ein Schiff zu bauen und mit Lebensmitteln zu versehen. Mit seinem Weibe, seinen Kindern und den Tiere» des Feldes besteigt er das Fahrzeug, das dann von innen und von außen verpicht wird. Nun ergießt sich der Regen über die Erde; der Gott Rimmon läßt seinen Donner erschallen; die Götter selbst zittern vor dem Brausen der Flut; die Göttin Jschtar beklagt das Schicksal der Menschen. Sechs Tage und sechs Nächte strömte der Regen hernieder und wütete der Sturm; am siebenten hörte der Regen endlich auf. Sitnapitschim blickt aus seinem Schisse und sieht die furchtbare Wirkung der Überschwemmung; bittere Thränen weint er über den Untergang der Menschheit. Das Schiff hält am Berge Nisir. Nach abermals sieben Tagen entsendet Sitnapischtim eine Taube, aber da sie keinen Ruhepunkt findet kehrt sie zum Schiffe zurück. Dann schickt er eine Schwalbe aus, die gleichfalls^ wiedcrkommt. Endlich läßt er einen Naben fliegen, der die Gewässer schon gefallen findet und nicht mehr zurückkehrt. Darauf verläßt Sitnapitschim samt seiner Familie das Schiff und bringt den Göttern Opfer dar. Diese finden Wohlgefallen an dem Dufte desselben und segnen die Mensche», die von der Flut verschont worden sind; nur Bel will sich dazu anfangs nicht verstehen, denn die Rettung Sitnapitschim's ist gegen seinen Willen erfolgt; endlich überreden ihn die übrigen Götter dazu. Diese interessante Episode des Jsdubar-Epos beweist, daß bei den Babyloniern, wie bei fast allen anderen Völkern eine Flutsage heimisch gewesen ist. Die babylonische Überlieferung ist der biblischen auffallend ähnlich und unterscheidet sich von ihr fast nur durch die Namen und die Nennung der Götter. Dagegen hat man bis jetzt noch keine Keilschrift auffinden können, die den Namen