Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969961-2969973--4310-2977415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
256 plage und ähnliche» Kalamitäten. Dann schreiben die Juden dieser Cermonie geradezu magische Wirkungen zu, die dem ganzen Lande zu gute kommen: Unheil wird abgewandt, der Segen Gottes wie ein Zaubermittel herbeigezogen. Indessen hat sich dieser Aberglaube wahrscheinlich erst später diesem alten Brauche angehängt Es ist anzunehmen, daß der llrsprnng der ganzen Sitte nichts anders ist, als eine fromme Pietät gegen ihre heiligen Bücher. Die heilige Schrift, das ist ja der größte Schatz Israels. Ihr ist ja vertraut „die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die-Verheißungen" (Rom. 9, 4). Diese Gebote und Gesetze, sic sind dem heiligen Psalmsänger (Ps. 219) seine Ratsleute, sein Lied, sein Trost, seine Kleinodien im Hanse seiner Wallfahrt. Sollte er nun die Schriften, die Gefäße dieser Schätze sind, die sie in sich tragen und Licht und Trost vermitteln, wie gemeine irdische Dinge, wie altes Papier verderben lassen im Kot der Straße'? Mit nichten! Dazu hat der Israelit auch das vergängliche Gewand des Heiligen viel zu lieb. So wie wir die teure entseelte Hülle unserer geliebten Toten nicht wcgwerfen, sondern sie sorgsam dem schützenden Schoße der Erde in ihrem Kämmerlein anvertrauen, damit ihnen kein unwürdiges Geschick widerfahre, so thut der Israelit auch mit seinen heiligen Büchern, wenn sie ihren Dienst gethan haben. Die Seele lebt ja ewig fort, denn Gottes Wort lebt in Ewigkeit. Aber der vergängliche Leib wird dankbar zur Erde bestattet, da wo auch die Kinder Israels, denen sie im Leben geleuchtet, ihre letzte Ruhestatt finden. Gin Ghrist an die erste Wabbiner-Wersamml'ung in Wraunschweig (1844). Seid allesammt gegrüßt, Ihr rüstigen Brüder Ans heiligem Schlachtgefild; Ermattet nicht, o kämpfet mutig weiter; Euch deckt des Höchsten Schild! Des Geistes Fackel ciiimal angezündet Wird leuchten immerdar, Bis vor dem neuen Himmelsglanz entschwindet Der nächt'gen Geister Schaar. Und ist zur Erute reif die Saat geworden, Die Ihr jetzt ausgestreut, So eilet dann vom Süden und vom Norden Zur Wclfknstadt wie heut. Der heil'ge Kamps, hier hat er angefangen, Hier laßt uns einst begeh'» Das Siegesfest — und sind wir heimgegangen, Laßt's unsere Kinder seh'n.