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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-11-01 · Heft 11 (1.11.1894) · p. Seite 253

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 11 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
Seite 253 (sequence 13)
Language
German
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253 Bekenner, wen'ger sie als Christen gelten: Verschieden zwar, doch Alle beten an. Ich glaube nicht, wenn wir vom Priester hören, Der Christen Glaube mache nur allein Uns selig, wenn die Finsterlinge lehren, Verdammt muß jeder Andersdenker sei»/' Mücherbegräbnisse in Jerusalem. Jerusalem auch in seiner heutigen Gestalt, ist namentlich auch wegen der sonst auf Erden wohl beispiellosen Mannigfaltigkeit der Religionen und Bekenntnisse eine merkwürdige Stadt. Wie in einem Brennpunkte drängen sich hier alle diejenigen Religionen der Welt zusammen, welche mit.Götzendinst nichts zu thu» haben wollen. Muhamedaner verschiedener Schattierungen, Juden in großer Zahl, mit manigfachen Sitten und Gebräuchen, Christen jeglichen Bekenntnisses und jeder Sekte begegnen sich in den engen Straßen der Stadt, die ihnen allen „heilig" ist. Und wer mit offenem Auge in das buntscheckige Volksleben mit seinen religiösen Gebräuchen hineinblickt, der kann neben Manchen betrübenden Eindrücken doch auch manchmal einen Zug beobachten, der uns ergreift, der unser Herz anspricht als ein Zeichen pietätvollen Sinnes gegen das Heilige. Es handelt sich um einen eigentümlichen Brauch der Juden Jerusalems, eine Bestattung, bei der aber nicht verstorbene Menschen, sondern alte Bücher begraben werden. Nicht nur in der spanischen, sondern in jeder Synagoge der Stadt besteht seit langer Zeit der Brauch, daß man alle abgelegten religiösen Bücher und Schriften in einem besonderen Rauin, sei es nun eine Nische, ein Schrank oder auch eine unterirdische Zisterne oder eine Höhle, ausbewahrt. Diesen nennt man Genisü (ein arabisches Wort Genüsa im Bolksmund, welches Begräbnis oder Grab bedeutet). Dieser Bücher sammeln sich in kurzer Frist oft viele an. Denn es gehört bei den Juden nicht viel dazu, um ein heiliges Buch antiquiert erscheinen zu lassen. Nicht nur, wenn das Buch äußerlich abgegriffen oder zerrissen ist, ist dies der Fall, sondern auch schon dann, wenn z. B. in einer Thora oder in einem Gebetbuch« an einer Stelle der Nähme Gottes nicht mehr ganz deutlich zu lesen ist, darf das Buch nicht mehr gebraucht werden, und wandert daher sofort in die Genisa. Ist dieser Vorratsraum (Schrank oder Zisterne) bis oben voll, so werden die alten Bücher, Manuskripte und Rollen in große Pallete zusammengeschnürt oder in Säcke eingenäht. Die Pentateuch-Rollen kommen besonders in irdene Gefäße: So verpackt

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