Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Protestanten Ketzer sind,") kann er doch nicht den Worten eines Abtrünnigen glauben! Luther schreibt iiämlich: „Ich habe viele Historien gelesen und gehört von den Jüden, so mit diesem Urteil, nämlich wie sie die Brunnen vergiftet, heimlich gemordet, Kinder gestohlen, item daß ein Jude dem andern einen Topf voll Blutes auch durch einen Christen zugeschickt, item ein Faß Wein, das da ausgetrunken ein toter Jude im Faße gefunden und dergleichen viel und das Kinderstehlen hat sie oft, wie droben gesagt, verbrennet und verjächt. Ich weiß wohl, daß sie solches und alles leugnen, es stimmt aber mit dem Urteil Christi, daß sie giftige, bittere, rachgierige, hämische Schlangen, Meuchelmörder und Teufelskinder sind, die heimlich stechen und Schaden thun, weil sie es öffentlich nicht vermögen, darumb ich gerne wollte, sie wären, da keine Christen sind." Hier steckt des Pudels Kern. Luther will also nichts geringeres als die Austreibung der Inden: Wahrscheinlich hatte er sich da Spanien zum Vorbild genommen, das ja die Folgen einer solchen Austreibung nur zu gut illustriert. Es würde zu tveit führen, wollte man all' die Beschuldigungen wiedergeben, mit welchen sich Luther gegen die Juden wendet. Man nehme nur die erste beste antisemitische Broschüre zur Hand uird man wird sich ungefähr denken können, was Luther sonst noch gegen die Juden geschrieben hat. Es bleibt bedauerlich, das; Luther, vor dem als Reformator man die höchste Achtung zeigt und zeigen muß, in dieser Beziehung so kleinlich dasteht. ' Mag man auch manches seiner Zeit zuschreibcn, die infolge der Glaubens- und Bauernkriege keineswegs veredelnd auf die damaligen Menschen einwirkte, so ist das doch eine kleine Entschuldigung. Denn, daß Luther seiner Zeit vorausgeeilt war» das zeigt eben sein Riesenwerk, die Reformation. Jedenfalls hatte er noch nicht die Ueberzeugung, daß nicht starrer Dogmcndienst, sondern der Glaube an einen hohen Vater, der alle mit gleicher Liebe behandelt, die Religion ausmacht. — Ich kann daher nicht umhin zum Schluß noch einige Strophen eines Gedichtes hinzuzusetzen, daß der im Jahre 1893 verstorbene protestantische Konsistorialrat Professor David Schulz verfaßt hatte. Er schrieb da unter Anderem: „Nicht glaub' ich, daß der Dogmen blinder Glaube Dem Höchsten würdige Verehrung fest: Er bildete ja das Geschöpf vom Staube, Von Irrtum nicht und nicht von Fehlern frei. Drum glaub' ich nicht, daß vor dem Geist der Welten, Der schuf des Talmud und des Alkoran °) In seiner Schrift: „Ter Antichrist „nd das Ende der Welt." St. Louis 1875, heißt cs nämlich: „Ein Protestant, der nach Luthers Rcccpten lebt, ist ei» Ungeheuer."