Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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249 eingetreten ist. Aber das Einzutretende, das sie erwartet, darf nicht außerhalb des Kreises der Empirie liegen. Kräfte, Keime, Anlagen müssen für das zu Erwartende vorhanden sein, die nur zur gehörigen Entfaltung gebracht tverde» müßten, um das Nene ins Lebe» treten zu lassen. Und, was die Hauptsache ist, das Neue, das erwartet wird, darf nicht als wogenöer Nebel, als ein undesinirbares Etwas hingestellt werden, wofür es weder Name, noch Begriff, noch eine Vorstellung giebt. All diese Bedingungen sind für das, was aus der sich auflösenden Menschheit werden solle, nicht vorhanden. So weit unser Denkvermögen reicht, ständen wir mit der Auflösung des Menschengeschlechtes vor dem Nichts. Einen dunklen Trieb im Menschen anzunehmen, der nach einem nainenform- und gestaltlosen Etwas strebte, haben wir nicht nur keine zwingende Veranlassung, es liegt auch außerhalb unseres Bewußtseinskreises. ,^riiepu»g folgt.) Aus einer Kchrifterklärung, gehalten am Hyorafreudenfeste. Von Rabbiner Tr. Nehemias Brüll s. A. Der Zusatztag des Schlnßfestes, de» wir, dem ehrwürdigen Brauche der Väter folgend, in feierlichem Dienste vor dem Ewigen begehe», wurde dadurch ein Freudentag in erhöhtem Maße, als man an demselben mit der von Jahr zu Jahr sich wiederholenden Vorlesung der fünf Bücher Mosis zu Ende kam. Da herrschte in den alten Gemeinden ein Jubel, eine Begeisterung, ein Freudenrausch, der alle Herzen mit sich fortriß, der die Liebe zur Lehre Israels auf das höchste steigerte, der die Herrlichkeit der Thora uns in erneutem erhellendem Glanze erscheinen ließ. Dieser Jubel war nicht nur durch die Gewohnheit geheiligt,, sondern auch durch die wahre Anhänglichkeit an die Lehre der Väter, durch die eifrige geistvolle Beschäftigung mit der Wissenschaft des Judentunis, wie sie zu jenen Zeiten allenthalben gepflegt wurde, vollends begründet und berechtigt. Man freute sich vou Tag zu Tag mit der Thora, in der man sann und forschte, in der man dachte und lebte. Die Herzen und Geister hingen an der Lehre des Judentums, wie an dem Tage, als sie bei Sinai gegeben und verkündet wurde. Da gab es in jeder Gemeinde zahlreiche Männer, die, wenn sie die Arbeit ihres Berufes hatten am Tage verrichtet, in die Nächte hinein wachten, lernend und forschend in unserem heiligen Schrifttum. Da hatte man Grund, eine Simchat-Thora zu feiern, da durfte man sich der ungebundenen Freude an der Lehre Israels gerne hingeben, denn man wußte, welch' eine Sonne des Lichtes sie dem Geiste, welch' ein Born der Erquickung sie dein Herzen ist, da hatte der alljährlich erneuerte