Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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247 ganismus, eine Vorstufe des höheren darstellt, so müßte, dem analog, das Menschengeschlecht eine Vorstufe für höher entwickelte Lebewesen sein als es selber ist. Sein Zweck wäre, im Dienste dieser entwickelteren Lebewesen;» ftefjen’ ihnen bewußt oder unbewußt zuzustreben. Die Menschheit, so müßte folgerecht angenommen werden, geht durch diesen Entwicklungsprozeß. Sie wird, vielleicht erst im Laufe von Millionen Jahren, diesen Prozeß durchgemacht haben. Es sind dann zwei Möglichkeiten denkbar. Entweder wird sich dieser Prozeß einmal gründlich vollzogen haben — dann hat das Menschengeschlecht zu sein aufgehört. Seine Stelle nimmt ein anderes, besseres, schöneres Etwas ein, das zu bezeichnen uns Begriff und Ausdruck fehlen. Oder, der Prozeß vollzieht sich in der Weise, daß das neue Etwas, das aus der Menschheit hervorgegangen, bereits vorhanden ist, wenn der alte Mensch — als übrig gebliebener Rest — noch auf Erden wandelt. Der alte Adam wird dann nur noch ein Rest verschollener Zeiten sein und wird von dem neuen Etwas als inferior mit demselben Gefühle angesehen werden, mit dem heute der Mensch auf den Affen herabsieht. Wir werden dann zu Eltern — degradirt sein. Der Einwand, daß wir von diesem Zwecke keine Kenntnis, auch nicht das geringste Bewußtsein vvn dem Dienstverhältnis haben, in welchem wir zu irgend einem Lebewesen stehen, dessen Dasein wir vorbereiten, kann als begründet nicht angesehen werden. Die Pflanze hat auch kein Bewußffein, daß sie einem höheren Organismus dient. Das Tier, in dem wir eine Bewußtseinsart annehmen müssen, mag in dem Menschen, der es ausbeutet, mehr den Nahrungsgeber sehen, als daß es sich seines Dienstverhältnißes bewußt wäre. Wenn dagegen behauptet wird, daß das Bewußtsein des Menschen doch ein anderes ist, mit dem der Pflanze und des Tieres nicht verglichen werden kann, wird das gerne zugestanden. Es muß aber dagegen erinnert werden, daß eine Entwicklung, in der man selber begriffen ist, niemals, wenigstens nicht klar ins Bewußffein tritt. Die Dinge in dieser Weise betrachtet, feierte gerade der Materialismus den Triumph, dem Menschen einen Daseinszweck angewiesen zu haben. Er, der ' einen Zweck gar nicht sucht, und höchstens in der Auflösung des Körpers, in dem Zerfallen desselben in Atome den Keim zu neuen Gebilden sieht, hätte die Lösung des Rätsels gefunden. Sieht man aber genauer darauf hin, zeigt es sich bald, daß die Lösung nur eine scheinbare ist. Der Schluß wäre richtig, wenn die Prämissen wahr wären. Was die Entwicklungstheorie betrifft, möchte ich den Kopf nicht zwischen die streitenden Berge stecken und die Enffcheidling den Fachgelehrten überlassen. Viele Fragen bleiben den Naturforschern selbst ungelöst. Ist das Uratom, das alles aus sich hervorgebracht habest soll, an sich etwas dunkles, fast möchte man sagen: etwas, das sich für die Naturforscher selber im Dunkel des Meinens verliert, so bleibt, selbst wenn man diese Voraussetzung als begründet annimmt, die große Frage übrig, wie aus dem unorganischen