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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-11-01 · Heft 11 (1.11.1894) · p. Seite 245

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 11 (1.11.1894)
Date
1894-11-01
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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245 Daß es auch heute noch Völkerschaften gibt, die sich des Fleischgenusses enthalten, ist bekannt. Ebenso, daß Israel während der Wüstenwanderung nach der Meinung eines Lehrers') nur jenes Fleisch genossen, das als Schelamimopser dargebracht wurde und ihnen der allgemeine Fleischgenuß erst mit dem Eintritt ins heilige Land gestattet war; daß sich der Essäerorden des Fleischgenusses enthielt, daß inan es nicht für erlaubt hielt, des Genusses halber ein lebendiges Wesen, dem nian sich mehr oder minder verwandt fühlte, zu töten. Die Voraussetzung, daß sich die Menschen dem Fleischgenuß hingeben, ist also nicht so selbstverständlich, wie man zu glauben geneigt wäre. Die Schrift über gestattet ohne weiteres den Fleischgenuß. Die Herrschaft, die sie dem Menschen über alles Geschaffene einräumt, besteht eben in dieser Erlaubnis. Nicht nur die unorganische, auch die organische Natur unterliegt seiner Herrschaft. Diese Erlaubnis wird nicht nur in der allgemeinen Uebertragung der Herrschaft ausgesprochen. Noch' einmal wiederholt es die heilige Schrift (Gen. 9, 3) als mit Noe die Erhaltung eines neuen Menschengeschlechtes beginnen sollte: „Alles was sich regt, was letzt, euch diene es zum Genüsse:" — Aus dem Dargelegten hat sich uns ergeben, daß die dem Menschen übertragene Herrschaft nicht als Zweck im teleologischen Sinne aufgefaßt werden kann, weil 1. der Gedanke nicht abgewiesen werden kann, daß die Menschheit ebenso im Dienste der Schöpfung steht, wie diese in seinem Dienste und daß es der Menschheit Beruf, nicht Zweck ist — ,)die Erde zu hüten und ihr zu dienen"; 2. von diesem gegenseitigen Verhältnis des Herrschens und Dienens abgegesehen der Mensch thatsächlich die Natur nicht beherrscht, sondern im ewigeil Kampfe mit ihr begriffen ist; 3. eine Herrschaft der Menschen über die Natur auch angenommen, wir im Herrschen wohl einen edlen Beruf, aber keinen Daseinszweck sehen. Nun entsteht die dringende Frage nach der Bestimmung — oder bleiben wir bei dem hierfür gebrauchten Ausdrucke — nach dem Zwecke des Menschengeschlechtes. Die Bibel hat, wenigstens in der Schöpfungsgeschichte, einen Zweck nicht angegeben. Das „bezwinget die Erde und herrschet" kann nach dem Gesagten höchstens als formaler, nicht als wirklicher Zweck äufgefaßt werden. Bevor wir vom Standpunkte der Bibel eine Antwort versuchen, wollen wir sehen, ob die Natursorschung auf die Frage eine einigermaßen befriedigende Antwort zu geben vermag. -) Es ist dies die bekannte Kontroverse zwischen R. Jsmacl und R. Akiba. Der letztere ist anderer Meinung, die auch von Maimoni acceptirt wird. Pesachim. 17».

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