Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- Seite 244 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■244 dieses sich zu erhalten, erfüllt man die Pflichten des Berufes. Man dient damit in erster Reihe sich und mittelbar der Gesamtheit. Der Herrscherberuf macht darin keinen Unterschied, wenn er auch in höherem Maße und unmittelbar im Dienste der Gesamtheit steht. Sc> ist es auch mit der Herrschaft der Menschen über die Tier- und Pflanzenwelt. Die Menschen wollen sie sich dienstbar machen, zu eigenem Nutzen verwenden, ihr Dasein inöglichst angenehm und bequem gestalten. Wenn der Landmann sein Feld pflügt, sieht er darin ebensowenig seines Daseins Zweck, wie dev Tierbändiger, der eine Bestie "'zähmt. Das Tierbändigen ist diesem ebenso nur ein Mittel zur Erhaltung des Daseins, wie jenem das Pstügen des Feldes. Ich meine daruin, daß auch die Bibel mit der Uebergabe der Herrschaft in die Hand des Menschen nicht eine Teleologie im Sinne einer menschlichen Bestimmung aufstellen, sondern dem Menschen nur die Mittel zeigen wollte, die ihm das Dasein ermöglichen. Ich finde dies hauptsächlich ausgedrückt in der zweimaligen Hervorhebung der Worte : Dies Alles — Pflanze und Tierwelt — sei euch gegeben „zur Nahrung" (Gen. I. 29, 30). Diese Herrschaft des Menschen über alles Geschaffene ist am Ende nichts anderes, als die Erlaubnis! der Gottheit, sich der Pflanzen- und Tierwelt zur Erhaltung des eigenen Lebens uneingeschränkt zu bedienen. Man wende dagegen nicht ein, daß die Menschen dies auch ohne Erlaubnis gethan hätten. So ganz selbstverständlich ist das denn doch nicht. Wohl hätte die Not — der Hunger — die Menschen auf die Pflanzenwelt verwiesen. Sie hätten, wie das Tier, voin Selbsterhaltungstrieb geleitet, zur Pflanze gegriffen. Ob sie nicht Scheu empfunden haben, nach lebenden Wesen, wie sie selbst, zu greifen? Jene großen Unterschiede, die wir zwischen Mensch und Tier machen, haben die Urmenschen gewiß nicht gemacht. Der weite Abstand war nicht vorhanden. Die Menschen fühlten sich wohl den Tieren näher und waren ihnen auch näher, als wir es Heute sind. Man braucht nicht darwinisch angehaucht zu sein, um dergleichen zu denken. Die Schrift gibt uns den deutlichsten Fingerzeig. Man lese nur (Gen. 2, 18—21). Für den Menschen wird eine Gehilfin gesucht u. s. w. So verständlich diese Sätze sind, so viel geben sie zu denken. Wie dem aber auch sein mag, soviel ist gewiß, daß der Naturniensch auch heute .mit gewissen Tiergattungen, man möchte sagen, in einem intimen Verhälniffe steht. Ich weiß nicht, und es dürfte sich auch nicht erweisen lassen, ob die Urmenschen Fteischesser waren oder nicht. Die Voraussetzung spricht nicht dafür. Die Vermutung scheint annehmbarer, daß die Menschen, die sich dem Tiere so nahe fühlten, Scheu trugen, ein solches znm Zwecke der Nahrung zu töten. Das Leben der Menschen von der Jagd zeigt schon eine höhere Entwicklung, jedenfalls eine solche, in der sich der Mensch in Gegensatz zum Tier gesetzt hat.