Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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‘M3 kosigkeit vorsteüt, gab es auch im Eden nicht, stellten Aufgabe: „Die Erde zu bezwirgen", hat die Bibel, weder die noch die ungestörte Ruhe, sondern die Arbeit auch im Eden Also mit der dem Menschen geleschüumeint. Die Herrschaft ist dadurch schon eine eingeschränkte.- - Wenn nun die Herrschaft auch im Sinne der Schrift keine unbedingte ist, fragt es sich : ob in diesem bedingten Herrschen ein Zweck für.den M enschen gesetzt sei? Ist Herrschen überhaupt ein Zweck? Man sollte doch glauben, ein solcher sei nur in der freien'Entfaltung der Geisteskräfte zu suchen, in dem, was menschliche Vernunft sich selber als solchen setzt; ein solches,, dem ich zustrebe, ein Ideal, das ich zu erreichen hoffe und nur im fortgesetzten streben, mich diesem Ideale zu näher»,' erfülle ich meinen Zweck: Wenn Herrschen eine Tugend ist, so ist sie im besten Falle eine' Unter vielen/ nicht aber die einzige Tugend, nicht die, die den ganzen Zwecks seines Daseins ausmacht. Auch wenn von der Tugend des Herrschers v« Rede ist, so handelt es sich um die Tugend dieses Herrschers, daß er sein Amt und seine Würde ernst auffaßt, ihr Zeit ur d Mühe zuwendet, seine Pflicht' als eine heilige betrachtet und erfüllt; daß er die Fülle s seiner Macht nicht mißbraucht u. s. w. Gelbst eine Auffassung, die der heiligest Schrift so nahe liegt, haß der Herrscher durch Gottes Gnade für seinen hohen Beruf erwählt würde, will damit nicht den Endzweck auch dieses Herrschers bestimmen, sondern seine, für besondere Umstände, durch Zeitverhältnisse notwendig gewordene Aaserwichltheit, Denn am Ende unterscheidet sich' der Herrscherberuf von anderen Berufsarten nur durch seine Qualität, in der Höhe der Pflichten, die da zu erfüllen sind, ist der Größe der Anforderungen, die an den Herrscher gestellt werden, u. s. •».' Bezeichnet man das Herrschen als Zweck seines Daseins, so hätte jeder in seinem Berufe seinen Zweck erfüllt. Der Gelehrte ich Studiren, der Lehrer iul Unterrichten!und so weiter, jeder in den durch ihn zu erfüllenden Obliegeicheit m. Im gewissen Sinne ist das freilich wahr. In der treuen Erfüllung seiner BerpfsMchten dient jeder seinem speziellen Zwecke, er dient auch der Gesamtheit.L Aber man greife doch eine der verschiedenen menschlichen Thätigkeiten und'Berufe heraus, und frage sich: Ist das der Zweck? Man wird da schon etwas stutzig werden. Stiefels verfertigen fft gewiß ein ehrenwerter Beruf. Bei rechtem Fleiße und Verständnis ernährt er seinen Mann. Auch ist der Beruf ein gemein rütziger. Dennoch werden wir, wenn uns der ehrsame Schuster die Frage mH dem ZnMei seines Daseins vorlegen wird, nicht allen Ernstes antworten: Lieber Freund, Zweck deines Daseins ist Stiefel machen. Wir können dahe' sagen: In dem Berufe liegt nicht der Zweck, sondern das Mittel zum Dasei n Um