Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1894)
- Date
- 1894-11-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 242 — Willen begabtes Wesen, das seinen Willen über -en des Anderen geltend macht. Beherrscht werden ist die gezwungene oder freiwillige Anerkennung eines fremden Willens über den eigenen. Herrschen kann man daher nur über Menschen. Der Ausdruck mag auch noch bei Tieren hingehen, insofern man ihnen auch eine Art Willen und Selbstbewusstsein znschreiben kann. Unorganische Wesen kann man nicht beherrschen. Man kann sie sich dienstbar machen, jie zu seinem Nutzen verarbeiten und verwenden. Wenn auch bei diesen „beherrschen" gebraucht wird, so geschieht es nur bildlich.') V ' i Der Zweck der Menschen wäre also die Mineral- und Pflanzenwelt sich dienstbar zu machen, die.Tierwelt zu beherrschen. Nun mag das Herrschen eine im allgemeinen wohlthütige Einrichtung sein, auch mag es dem hierzu Berufenen Vergnügen bereiten. Sieht mau sich aber das Wesen der Herrschaft des Menschengeschlechtes über die.Erde genauer an, bemerkt man bald, daß es sich vom Herrn , in den Knecht verwandelt: Selbst dem Eden, in das der Mensch gesetzt würde, sollte er „dienen und es hüten." : Es hat nun den Anschein, als wäre dem Menschengeschlecht mit der ihm übertragenen Herrschaft wenig Heil widerfahren,- und daß das All nicht wegen des Menschen, sondern der Mensch wegen des Alls geschaffen sei, War die Welt einmal da, bedurfte sie eines Hüters, ferner eines Wesens, das all die in ihr vorhandenen herrlichen Dinge zu schätzen und zu gebrauchen wisse. Er wäre also einerseits zur Wartung und Pflege des Alls, andererseits zum Genüsse des reichen Segens, der mit und ohne seine Hilfe dem All entströmt, ins Dasein gerufen. Seine Herrschaft ist also eine bedingte. Dienend herrscht, herrschend dient er. „Die Erde bezwingen" heißt ja auch nichts anderes, als im steten Kampfe, mit ihrv. leben,' an ihr arbeiten, sie zum eigenen Nutzen umgestalten. Davon noch später. Das paradiesische Lebtn, das so Mancher sich als Arbeits- | ’) Die hebräische Sprache hat hierin fein unterschieden. Da wo .Kerrschen im eigentlchen Sinne gemeint ist, Ivo also dev? Wille des Anderen Beachtung findet, wird radälr gebraucht; wo das Herrschen ein Bezwingen ist, wo es gilt, sich eine Sache dienstbar machen, wird kabasch angewendet. . ' . - ■ I Diese Unterscheidung' wird in der heiligen Schrift vielleicht nur mit einer einzigen Ausnahme konsequent durchgeführt, raüad-herrjchen wird nur gebraucht, wo es gilt, Menschen zu beherrschen. Das Deut 2chi.20 gebrauchte ad rillt», das sich aus die Stadt bezieht, widerlegt diese Behauptung nicht. Denn man bekämpft nicht die Stadt und beherrscht nicht sie, sondern die Einwohner derselben. Ebenso ist das „Herrschen" über das ganze diesseits, des Stromes I. K. 5, 4 und das „Herrschen von Meer zu Meer" (Ps. 72, 8) zu verstehen. Man beherrscht hie Bewohner der vom Strom oder vom Meer umspülten Gebiete, Ausgedehnter ist schon der Gebrauch des kadasod. Ban seiner ursprünglichen Bedeutung: Bezwingung des Willens- und Bewußtseinslose» geht es über auf das, was seines Willens entkleidet ist, mit dessen Selbstbestimmungsrecht Mißbrauch getrieben, also als Willens- und Bewußtseinsloses behandelt wird. Daher: Menschen zu Sklaven machen (zwingen) R«hö, ü: II. Chr. 28, 5. Jer. 34. 11, 16. Einem Weibe Gewalt anthun (Est. 7, 8). Eine, einzige Ausnahme dürfte H. Samuel 8 machen. Auch. dort ist vom Unterjochen, sich dienstbar mache« der Völkerschaften die Rede. Feinde werden unterjocht, bezwungen, ihr Wille wird mißachttt (oft in Numeri), Unterthanen, Bürger »»erden beherrscht. Andere.Ausdrücke, wie mvsedal, malaad, gehören nicht hierher.