Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1894)
- Date
- 1894-10-01
- Page
- Seite 233 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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etwa in der Bearbeitung und Pffeg^eines gesegneten Bodens, der den Lohn der Arbeit sicher und reichlich' gewährt, sondern in der steten Lust und lachenden j Heiterkeit eines seligen Nichtsthuns, zechend an reichbesetzten Tafeln und schlürfend j den berauschenden Nektar aus goldnen Kelchen, wie die Götter, denen sie sich, gleichgestellt fühlen.') Von einem ethischen Gebote der Entsagung, -von einer Beschränkung im Genießen selbst bei paradiesischem Reichtume ist natürlich keine Rede; ja nicht einmal zur Verehrung der Götter fühlen sie sich verpflichtet, geringe Opfergaben - darzubringen. Die nrrhängnHvolle Folge eines solchen selbstsüchtigen Genußlebens, voll frechen Uebermnts und Frevels gegen die Götter, war endlich der schrecken- volle Sturz in eine finstere Welt der Uebel, der quälenden Sorgen, der fruchtlosen Arbeit und der blutigen Kriege, in denen sie sich selbst vernichten?) Welch ein Unterschied herrscht zwischen der göttlichen Strafe^ welche die - biblische, und derjenigen, welche die hellenische Schöpfungstheorie über die ersten Menschen verhängen läßt! Der mosaischen Urkunde gemäß werden dieke aus dem paradiesischem Gefilde, wo sie auch schon an der zwar stets lohnenden;»# erfolgreichen Arbeit gewöhnt wurden, in eine Erdensphäre versetzt,?i»lcher die Arbeit zwar viel härter ist, die Hoffnungen und Erwartungen sehr hchkflg betrogen werden, dafür aber das edle, hochethische Selbstbewußtsein in ihnen rege gemacht wird, daß sie durch eigenen Fleiß und sittliche Kraftanstrengung sich das verlorene' Paradies ersetzen können. Ter hellenischen Sage gemäß jedoch werden die arbeitslos genießenden Menschen aus dem Lichtmeer der ewigen Freude in die Nacht des Jammers und Kampfes geschleudert, wo erst die schwere Arbeit begin- . nen soll, und zwar eine ganz erfolglose, weil sie nie .mehr jenes „goldene' Zeitalter" zurückbringen wird. Dort also der trostreichste, Körper und Geist kräftigende, Mut und Arbeitslust erweckende Optimismus, der dem Glauben an die Gerechtigkeit und' neidlose Liebe Gottes entströmt; hier der zur Resignation und Verzweiflung führende, jede sittliche Energie und Arbeitskraft lähmende Pessimismus, der aus dem verbitterten Trotz des von den eifersüchtigen Göttern unbärnchcrzig in die Tiefe des Elends gejagten Menschen sich nothwendiger Weise entwickelte. - Das optimistisch denkende und fühlende Judentum blickte daher in der That niemals sehnsüchtig zurück in seine paradiesische Vergangenheit; das goldene Zeitalter", das vollkommene irdische und ethische Glück, welches nicht im Paradiese^ zu finden war, winkt ihm noch aus der fernen Zukunft, welcher es mutig ringend und glaubensstark entgegen zieht. Das Griechentum dagegen sah das „goldne Zeitalter" der irdischen Glückseligkeit weit hinter sich in den langst verrauschten *) Hesiod. a. a. 0. 12—185 ' ' 2) Hesiod. a. a. Ö. 84—185. s '