Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1894)
- Date
- 1894-10-01
- Page
- Seite 227 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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227 Existenz, die Selbsterhaltung des Tieres nicht mehr eine-so mühelose, wie die der Pflanze ist, die ihre Nahrung im Boden, in Licht und Luft findet. Es muß meist die Bedingungen seiner Existenz selbstthätig erfüllen. Bein: Haustier ist dies anders, nicht wegen der Beschaffenheit desselben, sondern als eine Folge menschlichen Willens und menschlicher Einrichtung. Auch beim Menschen können wir in seinem bloßen Daseilt nicht seinen Zweck finden. Vor allem ist seine Lebenserhaltung die schwierigste. Sie wird mit fortschreitender Kultur immer schwieriger. Wäre des Menschen Dasein auch sein Zweck, so bestände dieser in der Erhaltung des Selbst und der Art. Führt nun pvar die biblische Schöpfungsgeschichte Ursache imb Grund des Seins auf den Willen Gottes zurück, so stellte sie doch eine Art Teleologie, ruie Zwecknläßigkeitstheorie auf. Also eine Zweckmäßigkeitstheoric gibt sie uns, aber damit noch keinen Zweck des menschlichen Daseins. Das Zweckse^en beginnt in der Bibel mit dem dritten Schöpfungstage?) Jedem Geschaffenen, mit Ausnahme der Tiere, wird fein Zweck angewiesen. Die Gestirne haben zu leuchten. Die Erde, das trockene Land hat den doppelten Zweck, Pflanzen und Tiere hervorzllbringen. Das Wasser soll das Element all' der zahllosen Wesen sein, die in ihm leben. e) Anthropologische Teleologie. Eine Lücke in der Reihe bestände nur, wenn mall die Tierwelt von der Menschenwelt trennt — und dazu ist man doch nach der Auffassung der Bibel *) Es liegt uns ein dreifacher Einteilungsgrund vor. Ter erste sept Dingen einen Zweck, die gleichsam aus sich selber schaffen, oder, wie ich eben anssnhrte, in der Entfaltung ihres eigenen Seins ihren Zweck haben. Es geschieht dies mit der selbstverständlichen Voraussetzung, das; sie diesen Zweck nur erfüllen, infolge der in sie von Gott gelegten Kraft. Der zweite setzt sowohl ein natürliches Wirken, als ein direktes Eingreifen Gottes. Dieses gemeinsame Handeln hat seine gleich zu besprechende Ursache. Der dritte setzt wieder ein bloßes Wirken durch Gott. — Der erste Elntellungsgrund tritt mls in doppelter Gestalt entgegen in Genes. Cap. I, v. 11, 14 ff. Ausgabe oder Zweck der Erde ist, die Pffanzenwelt aus sich hervorgehen zu lassen, Auch sprachlich wird deutlich genug darauf hingewiesen. Die Erde wird snbjcktivirt, schaffend gedacht. Die Hivlnlform wird angewendet: „Die Erde lasse ans sich hervorsprießen." Aus sich selbst wirkend, ihren Zweck durch die eigene Existenz erfüllend, sind Sonne, Mond und Sterne. Ihr Zweck ist ein doppelter. Erstens die Tages- »Nacht, mib Jahreszeiten zu bestimmen. Zweitens, die Erde zu beleuchten. Dem zweiten Einteilungsgrund begegnen wir bei dem weiteren Zweck, der dem Wasser tmd der Erde zugewiesen wird. Das Wasser, nicht nur als etwas positiv begrenztes, sondern als Urelement gedacht, soll den beseelten Wesen zur Nahrung dienen. Die Erde soll — das ist ihr zweiter Zweck — lebende Wesen aus sich hervorgehen lassen, nämlich die Landtiere, wie das Wasser die Wassertiere (v. 20 u. 24.) Hieraus aber könnte die Meuinng entstehen, als schüfe das Wasser oder die Erde aus eigener Kraft lebende Wesen. Die Schrift tritt ihr ausdrücklich entgegen. Wasser wie Erde sind ihr tote Elemente. Aus Totem kann nichts Lebendes entstehen. Darum wird beim Entstehen der Wassertiere hinzugesngt „Gott schuf", bet dem der Landtiere „Gott machte." . . . Eine Ausnahmestellung nimmt der Mensch ein. Da tritt der dritte Etnteüungsgrund m Kraft: das Wirken Gottes. „Er macht den Menschen."