Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1894)
- Date
- 1894-10-01
- Page
- Seite 226 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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226 Er ist der Herr der von ihm bewohnten Welt. Seine Welt ist die Erde nnd die sie umgebenden Elemente, Wasser und Luft. Was auf dieser Erdsläche, im Wasser, in der Luft besteht und lebt — dem Menschen soll es zur Nahrung dienen. Aber auch hier zeigt sich ein Unterschied in der Zwccksetzung. l>) Ter Zweck in der Entfaltung der eigenen Kraft. Abgesehen vom Tiere und manch anderen Organismen entspricht jedes sonstige Gebilde, vermöge der ihm innewohnenden Kraft, seinem Zwecke. Was geschieht, geschieht ebenso natürlich wie mühelos. Die Sonne leuchtet. Sie thut cs kraft der ihr ureigenen Natur. Das Leuchten verursacht ihr nicht Mühe und nicht Anstrengung. Wenigstens wissen und merken wir hiervon nichts. Dasselbe dürste der Fall sein mit dein Zeugen der Erde. Sic läßt alle Pflanzengattnngen -ans sich hervorgehen. Ob cs ihr Beschwerden verursacht? Niemand hat es noch behauptet, wird es auch 1 nicht behaupten können. Wenn ein widernatürliches Verfahren ihr gegenüber! nicht angewendet, sie in der Entwickelung ihrer Kräfte nicht gehemmt oder letztere nicht zu sehr ausgcbeutet werden, so folgt sie ruhig ihrer Natur, zeugt ohne Mühe. Also: die Planeten, auch unsere Erde, folgen bei all' ihren Aenßerungen nnd Hervorbringungen, den in ihnen liegenden Kräften. In dem Sich-Acußcrn liegt ihr Wese» nnd ihr Zweck zugleich. Im Wesen der Sonne liegt Wärme nnd Leuchten. Hierin auch ihr Zweck. Die Entfaltung ihres Wesens ist die Erfüllung ihres Zweckes, kknd beides, Entfaltung und Erfüllung geschieht nach notivendigcn Gesetzen nnd — weil Wille und volles Beivußtscin fehlen — ohne Onal nnd Wahl. Es muß dabei noch hervorgehvbcn werden, daß am Ende ihr bloßes Dasein genügt, um ihren Zweck zu erfüllen und zwar um so eher, je schöner nnd reicher sich das Dasein gestaltet. Durch ihre bloße Existenz erfüllt die Sonne ihren Zweck, sie wirkt, indem sie in ihrer vollen Eigenart sich zeigt. AehnlicheS, tvenn auch nicht mehr Gleiches findet sich bei sonstigen unorganischen Wesen. Dagegen läßt sich nicht mehr behaupten, daß irgend eine Frucht schon durch ihr Dasein wirke und ihren Zweck erreicht habe. Das Entgegengesetze ist der Fall. Der Zweck der Frucht erfüllt sich im Aufhören ihrer Existenz, mit ihrer Perzeption durch Tier oder Mensch oder mit ihrer Verwesung, wo sie befruchtend wirkt. > Anders verhält es sich bei den organischen Wesen. Mensch und Tier haben ihren Zweck nicht in ihrer bloßen Existenz. Wir können nicht, wie bei vielen unorganischen Wesen, behaupten, daß jedes Tier in der Entfaltung seines Selbst, in den Funktionen, die zu seiner Lebenserhaltung dienen, schon seinen Zweck erfülle. Auch besteht ein weiterer Unterschied schon darin, daß die