Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1894)
- Date
- 1894-10-01
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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225 Dialoge Hiobs und seiner Freunde anderes, als der Austausch spekulativer Gedanken? Hat ätohelet nicht Fragen, die die Geister damals beherrschten, zum Gegenstände seiner Auseinandersetzung geinacht? Tauchen in den Psalmen, trotz ihrer Innigkeit und Gottergebenheit, nicht Fragen auf, die die Fragenden, sagen ivir es kurz - als spekulative Kröpfe erscheinen lassen? Es wäre auch verwunderlich, iven dem nicht so wäre. Darum wollen -wir sehen, ob nicht — und das ist das Naheliegendste — die biblische Schöpfungsgeschichte uns Aufschluß über das nns iuteressirende Problem giebt. Zunächst ist zu betonen, das; die heilige Schrift keine Ratursorschung begründen und nicht die Art der Entstehung des Seins erklären will. Was die Schöpfungsgeschichte der Genesis bietet, wird wohl kein Einsichtsvoller als Natursorschnng hinstelleu. Trotz der bewnnderusiverten Tiefe, die sich in der gedrängte» Darstellung zeigt, null sie doch nichts anderes geben, als das Nacheinander des Werdens des Alls, vor allem aber die Güte der Vorsehung zeigen, die in die nun fertige Welt den Menschen gesetzt hat. Gott ist der Schöpfer: das ist die Voraussetzung. Sein Geist umschwebt das All. Durch sein Machtgebot entsteht cs der Reihe nach, wie es der Weisheit Gottes passend erscheint, der Natur selber und dem Menschen in ihr dienlich ist. Es ist das nichts anderes, als die Zweckmäßigkeit, die in der Erscheinungswelt herrscht oder die Gott in sie gelegt hat. Tie Frage: wie hat sich das Chaos gesondert, wie hat sich das Wasser, das als ein Urelement angenommen wird, (Thales) geschieden,, wie entstand die Wölbung der Himmel und so fort — wird einfach gelöst. Gott sprach: es werde und es ward, es geschehe und es geschah. Bei dem Machtgebot eines Allmächtigen hört jede weitere Frage auf. Auch hier sehen wir also, wie gesagt, eine Zweckmäßigkeit in der Form von Ursache und Folge, die wir als Vernünftigkeit des schaffenden Gottes bezeichnen können. Das früher Geschaffene stellt sich immer als notwendige Voraussetzung des nachher Geschaffenen dar. Wenn sich die biblische Schöpfungsgeschichte, ohne daß man dabei noch an Mysterien denken muß, so kurzweg nicht abthuen läßt, kann man doch sagen: Naturforschung wollte sic nicht bieten, trotz aller Tiefe der Anschauung. Ja ich gehe weiter und sage, daß sie auch eine Teleologie nicht geben wollte. Sie sagt uns einfach: die Welt, die ihr seht, hat Gott in sechs Tagen geschaffen. Sechs Perioden nehmen spätere, bereits philosophirende Theologen an. An jedem Tage oder in jeder Periode ist dieses und jenes durch den Willen Gottes ins Dasein gerufen. Wie und wozu das geschehen ist, damit befaßt sich die biblische Schöpfungsgeschichte nicht. Sie stellt die Fragen nicht und braucht die Antwort nicht zu geben. Nur bei der Schöpfung des Menschen wird eine Art Teleologie aufgestellt. Es ist die bekannte anthropologische. In Genes I, 28—30 wird die Tier- und Pflanzenwelt in de» Dienst der Menschen gestellt.