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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-10-01 · Heft 10 (1.10.1894) · p. Seite 222

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 10 (1.10.1894)
Date
1894-10-01
Page
Seite 222 (sequence 6)
Language
German
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222 fassen sein. Denn, da wir von der sonst beliebten Dreiteilung der Teleologie absehen, unsere Frage wohl nach dein Zwecke des Daseins überhaupt, aber in erster Reihe nach dem des Menschen geht, tvird die menschliche Eigenliebe bald irgend einen Zweck für sich herauszufinden wissen. In der That hat auch jeder seinen WirRckgs- und Pflichtenkreis. Ist er bestrebt, ihn nach besten Kräften auszufüllen, sieht er mit recht in ihm seinen Zweck. Erfüllt er seine Pflicht, kann er behaupten, daß er auch seinen Zweck erfüllt hat. Dieser Zusammenhang von Pflicht und Zweck trifft die Frage nicht, welche die Teleologie beantworten will, die dahin geht, wozu der Mensch überhaupt? Würde man hierauf antworten: Der Zweck des Menschen besteht darin, um ethischen Anforderungen zu genügen, so würde man die Ursache mit der Wirkung verwechseln. Mit der Entstehung und Entwicklung des Menschengeschlechtes sind allmühlig ethische Gedanken, Lehrsätze u. s. w. entstanden, die mit fortschreitender menschlicher Erkenntnis ihre Nützlichkeit oder Notwendigkeit geltend machten und so als Forderungen auftraten, deren Erfüllung zur Pflicht, zum Gebot geworden. Die ethischen Gedanken waren der Zeit nach nicht vor dem Menschen da, und dieser wurde nicht ins Dasein gerufen, um jene zu erfüllen. Weil der Mensch als denkendes und fühlendes Wesen einmal ins Dasein getreten war, entstanden ethische Gedanken. Er schuf sie ans sich selber, sie sind seine ureigensten Gebilde. Freilich ergeht es dem Menschen mit diesen seinen Gebilden wie mit so manchem, das er sich selbst schafft und das, kaum geschaffen, ihn beherrscht. Hast Dn einmal einen Gedanken als gut und sittlich erkannt, dann mußt du, soweit du es vermagst, nach ihm handeln, ihn zu verwirklichen suchen. Mit anderen Worten: hat sich irgend ein Gedanke als ein ethischer allgemeine Anerkennung verschafft, so beherrscht er die Menschen. Sie müssen ihm gehorchen und sträuben sich vergebens gegen seine Macht. Wir können also sagen: Es ist Aufgabe, Pflicht des Menschen, immer besser zu werden, den ethischen Anforderungen zu genüge». Aber behaupten »vollen: der Mensch trat darum ins Dasein, und das »var von Uranfang sein Zlveck, daß er ethische Anforderungen erfülle, heißt so viel als sagte man: Das Kind trat darum ins Dasein, uin der M»uterlicbe teilhaft zu »verden. Die Sache liegt doch offenbar umgekehrt. Eine Anschauung, die den Menschen dazu geschaffen sein läßt, damit er vollkommen sei und gutes »virke, »vird immer an der folgenden Erivügnng scheitern. Mich vervollkommnen ist, das gestehe ich zu, eine erhabene Pflicht. Aber eine Pflicht erfüllen, setzt meine Existenz voraus. Ich »väre, »venu Vollkommenheit erlangt »verden könnte u»»d ich sie erlangte, eine vvllkonimrne Existenz. Aber das ist ja eben die Frage: Wozu meine Existenz? Bestehe sich nicht, lebe ich »licht, habe ich auch keine Pflichten, dir, »vie bereits gesagt, von mir selbst geschaffen sind. Es bliebe nur die Eventualität übrig: Der Ziveck des mciischlichcn

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