Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1894)
- Date
- 1894-10-01
- Page
- Seite 221 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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221 Gei'tesgute seiner Zeit stets mitarbeitete, hier sowohl empfing, als auch spendete. Mögen vor allem wir es beherzigen, daß Israel aus sich selbst ein Geistesgut geschahen hat, daß es eine jüdische Litteratur, eine jüdische Wissenschaft gibt, daß- ' wir die Pflicht haben, sie zu pflegen und zu wahren. Hüten wir, Israeliten, dieses Gut. In seiner Pflege liegt „dein Leben, die Dauer deiner Tage". Amen. Meismus und Aaturforfchrmg in ihrem WerhäkLnis zur Teleologie. Von Rabbiner Dr. I. Stier, Berlin. - Die Teleologie ist die Lehr: von den Zwecken. Es wird bei allem Seienden nach dem Ziel gefragt, dem es zustrebt und nach dem Zweck, den les zu erfüllen hat. Die Frage lautet einfach: Welchem Zwecke dient dieses oder jenes? Warum und wozu besteht es? Oder, de ein Geschaffenes einen Schöpfer voraus-, setzt — so muß die Frage lauten: Wozu wurde dies oder jenes geschaffenh Ist einmal die Frage gestellt, so geht sie auf das Weltganze m t all' seinen Teilen. Mag.man ausgehen vom kleinsten Stäubchen und fortschreiten zu . dem uns bekannten größten Weltkörper, oder den umgekehrten Weg verfolgen; mag man die organische Welt ins Auge fassen und das kleinste Lebenwesen, das größte lebende Tier, oder das intelligenteste, den Menschen, betrachten: immer entsteht die Frage: Wozu, zu welchem Zweck? f Wir nehmen es vorweg und sagen, daß die Denker bis zum heutigen Tage keine genügende Antwort gegeben haben, und daß die Frage, vermöge ihrer inneren Beschaffenheit, sich kaum jemals in völlig befriedigender Weise' wird bepnt vorten lassen. Dennoch darf man es, trotz aller Unfruchtbarkeit der Bei suche, den menschlichen Geiste nicht verargen, wenn er sich immer und immer wieder heranwagt, um in das Dunkel hineinzuleuchten und für das bisher Ungelöste eine Lösung zu suchen. Denn das darf Nicht vergessen werden, daß bei der Frage nach dem Zwecke alles Bestehenden, der Mensch im Vordergründe steht, nickt nur subjektiv als der Fragende, auch objektiv nach dem gefragt wird. Der Mensch ist sich immer nicht Nur das nächste, er betrachtet sich auch als das interessanteste Wesen. Er fragt eigentlich nach seiner eigenen Bestimmung und seinem Zweck. Wohl will er wissen, wozu die Schlange, jene Pflanze und dieser Stein ges>Haffen sei, an dieser Frage hat er ein wichti ges, weil wissenschaftliches Interesse. Viel wichtiger ist ihm aber sein eigenes Ich. Hier verbindet sich mit dem wissenschaftlichen das persönliche Interesse. Frei lich wird die Frage in weitestem Sinne zu