Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1894)
- Date
- 1894-09-01
- Page
- Seite 204 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus diesem Umslande, wie auch daraus, daß ihm der Schöpfer alle Tierwesen zusührt, damit er ihnen die passenden Namen erteile,') geht klar und deutlich hervor, daß der Mensch, dem bibl. Berichte gemäß, noch vor dem Genüße von „dem Baume der Erkenntnis" ein vom Tier sich nnterscheidendes, selbstbewußtes, edler denkendes nnd fühlendes Geschöpf war, dem die Gottesliebe, nur den inner«' ethischen Kampf zwischen dem Guten und Bösen ersparen, daher die Kenntnis des Bösen entziehen wollte durch das Gebot der Entsagung uub Selbstüberwindung, der Genügsamkeit und Mäßigkeit im Genießen, das ja in seiner tierischen Zügellosigkeit der Gistqucll des Bösen ist. Zu seiner Zufriedenheit und zu seinem irdischem Glücke, das er im Umgänge mit den Tiergeschöpfen eben wegen seiner höhern Naturanlage nicht finden konnte, schuf endlich die Gottesliebe eine „Gehilfin", ein mit ihm gleichdenkendcs und gleichfühlendes Weib, das schonin seinem hebräischen Namen „Jscha" ein festes leibliches und seelisches Einssein mit dem „Jsch" dem Manne bekunden möge;^) wie denn die Thora schon hier in der Schöpfungsgeschichte jenen heiligen Familiensinn des Judentums, den kein anderes Bolk des Altertunis besessen, zu erwecken trachtet, indem sie das Ideal des Ehelebens in der unlösbaren Identität^) des Mannes mit dem Weibe aufstellt und fordert: es soll die Gattin an der Seite des Mannes so hingebungsvoll leben, als wäre sie ein Teil seines Wesens, der (vjatk hinwieder an die Gattin so innigst geknüpft sein, daß er selbst das kindliche Gefühl für Bater und Mutter dem Gefühle der Gattenliebe unterordnen/) Wahrlich es darf nicht Wunder nehmen, wenn die Moralität des jüdischen Familienlebens selbst von den Feinden des Judentums nicht geleugnet werden kann, nnd sie mit einem christlichen Dichter der Gegenwart anerkennen müssen: „der Fels des Judentums ist die Familie"/'') da ja das erste Blatt seines Religionsbuches ihm schon vor grauer Borzeit ein Ehe-Ideal schilderte, an dem vielleicht erst die vollkommenste Menschen -Cultur iti der fernen messianischcn Zukunft wird festhalten können; wo auch, der prophetischen Anschauung gemäß, die menschlichen Leidenschaften ihre gefährliche Glut verlieren werden. (ien. 2,19 dazu Midi-, Kab. Cap, 17. '*) (ien. 2,23. [i) Das für das praktische Leben geltende (besetz der Thora ermöglicht zwar die Lösbarkeit des Ehebnndes lV. M 24. 1. f.i; allein als das Ideal desselben betrachtet auch das alte Testament jene unzerstörbare harmonische Einheit, als wäre Mann und Weib ein einziges (Geschöpf. Die kathol. Kirche will dieses Ehe-Ideal der mosaischen Schöpfungsgeschichte auch im Leben sesthalten; begründet daher die Unlösbarkeit der Ehe ans dem angedeuteten Thoraspruche Mion. 2,23), dem, ihrer Meinung nach, das Scheidungsgesetz im Deuteron, vollends widerspricht. Nun, es widerspricht ihm nur insoweit, insoweit das praktische Leben dem Ideale überhaupt widerspricht, dessen ethisch-strengen Anforderungen nur zu oft durch die praktische Lebensklugheit gemildert oder gar gänzlich beseitigt werden müssen! 4) Gen. 2,24. (tzuMw, Einlcit. z. s. Drama „Driel Acosta".