Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1894)
- Date
- 1894-09-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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205 Bis zu jener großen und heiligen Epoche bleibt dieses hehre Mische Ehe-Ideal nur eine Utopie, an deren Verwirklichung wohl die kathol. Kirche arbeitete, die aber im praktischen Ehelebm so viel Unglück und so viel Unsittlichkeil beförderte, daß die modernen Kulturstaaten gezwungen sind, bei aller Anerkennung des alttestamentlichen Ehe-Ideals, auf das mosaische Prinzip der Auflösbarkeit des Ehebundes zurückzugreifen und es zum sozialen Gesetze aller Bürger ohne Unterschied der Confession zu erheben?) Kehren wir jedoch zu unserem eigentlichen Thema zurück. — Nun, dieses Ehe-Ideal des ersten Menschenpaares wurde auch in seiner praktischen Lebensbethätigung sehr getrübt, indem das Weib den Mann zum Genüße vom „Baume der Erkenntnis" verleitet, welcher den innern ethischen Kampf zwischen dem Guten und Bösen, mithin auch den Verlust des paradiesischen Lebens nach sich zieht. (Schluß folgt.) Wonatsschau. ' Die königl. Bibliothek in Berlin hat kürzlich ein altes Manuskript erworben, das in Hinsicht auf die Geschichte der Medizin, die Kulturgeschichte und die französische Sprache beachtenswert erscheint. Herr Professor Dr. Steinschneider lenkt in Virchrw's „Archiv" die Aufmerksamkeit aus das Merk. Es ist eine altfranzösische Coinpilation eines jüdischen Arztes über die Fieber in hebräischer Schrift. Das Manuskript umfaßt mehr als 300 Pergamentblätter in kleinem Format. Das litterarhistorische Interesse des seltenen Werkes, das nach Steinschneiders Ansicht vor der Zeit des französischen Exils ( 130k» entstanden sein dürfte, kann erst nach voller Erkenntnis der sprachlichen Seite gewürdigt werden. — Am 12. Juni d. I. sind 50 Jahre entschwunden, daß in Brannschwcig unter dem Vorsitz des Kirchenrath Dr. Mayer aus Stuttgart die erste Rabbiner- Versammlung zu ihrer ^tägigen Verhandlung zusammentrat, zu der Dr. L, Philippsou die erste Anregung gegeben und mühevolle Vorkehrungen getroffen hatte. Von den damaligen Mitgliedern lebt nur noch Herr Professor Ph. Heidenheini, Rabbiner in Sondershausen. — Am 27. Juni beging Herr Rabbiner Professor Philipp Heidenheim in Sondershausen seinen 80. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische. Gleichzeitig feierte der würdige Greis das 60 jährige Jubiläum seines Wirkens an der dortigen jüdischen Gemeinde. Fünfundvierzig Jahre war er Lehrer der fürstlichen Realschule, und unterrichtete in Prima und Sekunda Mathematik, Geschichte und Litteratur. ■) Ein solches politisch-ethisches Bestreben hat jetzt bei uns die ungarische Staatsregierung, die von der kathol. Kirche angcfeindet, aber von der Majorität der ungar. Gesellschaft mächtig unterstützt wird, fühlend de» praktisch-sittlichen Wert der mosaischen Satzung!