Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1894)
- Date
- 1894-08-01
- Page
- Seite 184 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 184 l„,chs für jüdische Vereine," hcrausgegcben vvn Dr. H. Löwe, gefallenen irrtümlichen und den Thatsachen in keiner Weise entsprechenden Bemerkungen über die „Freie Verbindung Badenia" zu Heidelberg, sieht sich der Bnrscheneonvent derselben veranlaßt, folgende Erklärungen abzugeben: 1. Die „Freie Verbindung Badenia" in Heidelberg steht fest ans deutsch-nationalem Standpunkte. 2. Jede Zumutung anderer Tendenzen lehnt dieselbe entschieden ab, insbesondere hat die Verbindung mit den jiidisch-natioisalen Bestrebungen nichts zu thun. 3. Die Existenz des jüdischen Liederbuches von Dr. H. Löwe war der Verbindung unbekannt, bis dieselbe vor kurzem durch eine hiesige Antisemitische Zeitung daraus aufmerksam wurde. 4. Das auf Seite 17 mit einer Widmung an unsere Verbindung abgkdruckte Lied: „Wir sind Juden etc." war uns bis zu demselben Zeitpunkt ebenso unbekannt. -Die Widmung wurde, wie uns der Verfasser schreibt, „durch einen Irrtum des Herausgebers" gedruckt. 5. Das auf Seite 22 und 23 abgedruckte, uns gewidmete Lied ist unser Bnndeslied. Dasselbe ist nicht ganz richtig wiedergegcben. Indessen sind wir der Ansicht, daß den Inhalt desselben jeder selbstbewußte deutsche Jude getrost unterschreiben kann. Der Abdruck dieses Liedes geschah selbstverständlich ohne unser Vorwissen. 6. Mit den andern in den „Populär-wissenschaftlichen Monatsblättern" angeführten Proben aus dem betreffenden Liederbuche steht unsere Verbindung nicht im geringsten Zusammenhang. Wir lehnen es aufs Entschiedenste ab, unsere Bestrebungen mit den in dem Liederbuch vertretenen identifizieren zu lassen. 7. Unsere Verbindung erstrebt, den jüdischen Studenten, die hier in Heidelberg von jeglicher akademischen Gemeinschaft so gut wie ausgeschlossen sind, (außer uns nimmt nur noch eine einzige Korporation bedingungslos Juden ans) die Menschenwürde zu wahren,. insbesondere, ihnen die Freuden nicht verkümmern zu lassen, zu denen sie ihre Jugend und ihre Bildung berechtigen. 8. Auf der Grundlage der allgemeinen studentischen Organisation versuchen wir, unsere Mitglieder zu selbstbewußten Männern zu erziehen, die dazu berufen sein sollen, in würdiger Weise mit Wort und That ihren Gegnern entgegenzutreten, Leute, die sich nicht schäme», Inden zu sein und den kriechenden Egoismus und die Charakterlosigkeit in den eignen Reihen ebenso mannhaft und freimütig bekämpfen sollen, wie alle äußeren Feinde unserer bedrückten und gedehmütigten Stammesgenossen. 9. Die Verbindung sucht dies durch das Bestreben zu erreichen, alle ihre Mitglieder zu einer allgemeinen freien Bildung zu fuhren, ferner durch tägliche körperliche llbunge» und durch die Pflege der, dem deutschen Studentenleben eigentümlichen brüderlichen Geselligkeit, die vvn uns Juden nur vertieft und verinnerlicht werden kann. 10. Die religiöse Frage ist durchaus Privatsache des Einzelnen. — Die Lage der bayerischen Rabbinen auf dem Lande ist finanziell zumeist recht ungünstig. Der Rabbiner-Verband des Landes richtete eiuePetition an den Landtag in welcher er Vorschläge zu einer grundlegenden Besserung machte. Im Finanzausschuß erklärte der Minister, daß er den Rotstand anerkenne, daß jedoch vorerst