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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-08-01 · Heft 8 (1.8.1894) · p. Seite 183

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 8 (1.8.1894)
Date
1894-08-01
Page
Seite 183 (sequence 15)
Language
German
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183 )md um sich zu überzeugen, ob es wirklich ihr Sohn «ist, der'neben ihr stand, befestigte sie ihre Brille, legte eine Hand vor die Augen, um die Soiiiienstrahlen zurück zu drängen, und nachdem sie so einige Minuten in stillem Nachdenken verharrt hatte, rief sie freudig aus: „Wie ich bin a Jttd," ich Hab' a Toes') gehabt! Du bist doch wirklich mein Bornchlebcn, nur bist Tu a emesser^) Poritz^) geworden." Bornch wollte nun noch einmal die Mutter küssen, allein Gitele währte seine Liebkosungen mit den Worten ab: „Mit einem rasirten Bart darfst Du mich nicht küssen. Schämen sollst Tn Dich, Tn" — Die Bläße, die Voruchs Gesicht plötzlich bedeckte, verricth, daß er sich wirklich schämte, und gesenkten Hauptes führte er seine Eltern aus der Wartehalle und bestieg mit ihnen einen Pferdebahnwagen. Gitele war von der eleganten Ausschmückung des Wagens wie geblendet. „Unser Boruchleben muß doch sehr reich sein — flüsterte sie ChaSkel zu — a Spaß ist es. so ein Wagen und solche Pferde, das muß doch a Masse Geld kosten. Gelobt sei Haschen» jisborech, daß ich das Alles mit meinen Augen zu sehen erlebt habe." — Als sie den Wagen verlassen hatten, wandte sie sich an den Sohn und sprach: „Hör zu mein Kind, Dein Wagen gefiel mir sehr gut, nur habe ich an der Thüre desselben eine Mesnse vermißt; versprich mir eine solche auch bald anzubringen." — „Gewiß, liebe Mutter — antwortete Bornch gutmütig lächelnd — werde ich mich bemühen, Deinen Wunsch zu^ erfüllen; jetzt aber bitte ich, in den Flur dieses Hauses zu treten, denn hier wohne ich." — * Nachdem sie sich von den Strapazen der Reise erholt hatten sagte eines Tages Bornch zu seinen Eltern: „Heute Abend, liebe Eltern, will ich Euch in das jüdische Theater führen; Ihr sollt dort Euer Vergnügen haben." Chaskcl nickte mit dem Kopf zustimmend und schüttelte im Voraus dankend seinem Sohne die Hand. Gitele aber erwiderte: '„Nein, mein Kind! Meine „Owes Awosenu“4) sind nicht jns Theater gegangen, mistomen) darf man nicht. Wenn Dein Tatte"), der Api^ores gehen will, so mag er gehen — ich aber muß aus den „guten Ort." Heim Du mich lieb hast, Boruchleben, so bitte ich dich, — führe mich schnell hist." Wonülsschäu. . Die Freie Verbindung *„Badema" in Heidelberg schMbt uns: Unter Hinweis auf die in den „Populär-wissenschaftlischen Monatsblättern zur Belehrung über das Judentum" vom l. Juni d. I gelegentlich der Besprechung des „Lieder- ~ l) Irrtum. 2) ein wahrer. 3j Gras. 4) Tie Vorfahren unserer Vorfahren. 5) wahrscheinlich. *) Vater.

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