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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-08-01 · Heft 8 (1.8.1894) · p. Seite 181

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 8 (1.8.1894)
Date
1894-08-01
Page
Seite 181 (sequence 13)
Language
German
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181 Teufel ist, der lebt in Zorres') und in Finsterniß, wie einst unsere Urahnen in Mizraim^. Wer aber Geld hat, dem scheint in Amerika die Sonne viel Heller und viel freundlicher als in unserm Vaterlande, wo wir schlimmer als das Vieh behandelt werden." Bald beteiligten sich auch viele andere Reisende an den Gespräch, von denen viele der Zurückgekehrten das amerikanische Leben und Treiben über alle Maßen priesen und fest versicherten, daß sie bald wieder „hinüber" fahren werden, und auch unser Gitele, in deren Gehirn es allmählig Heller zu ivcrden begann, änderte ihren Entschluß, und willigte ein die Reise fortzusetzen. Indes;, der arme Chaskel hatte während, ihres Aufenthalts in Berlin und auf der Reise nach Hamburg noch unsäglich viel von ihr zu leiden, aber er iiberstand und ertng Alles mit einer Geduld, die nur einem russisch-jüdische» Auswanderer eigen ist und schätzte sich überglücklich, als er sich mit ihr auf dem Schifte befand. V. „Verstehst Du, was sie reden?" frug Gitele ihren Mann und zeigte mit der Hand auf einige Matrosen, die auf dem Verdeck des Schiffes standen und sieh gemütlich unterhielten. „Nein — antwortete Chaskel — sie sprechen englisch." „Wieder a Neues — rief Gitele — englisch! Zu Hause habe ich die Sprache der Arelim^) gut verstanden und hier verstehe ich kein Wort." „Die Matrosen — belehrte sie Chaskel — gehören einem andern Volke an, sie sind Engländer, während bei uns Polen und Lithauer nur wohnen." „Was ist das für ein Unterschied?" seufzte Gitele. „Arelim sind Arelim. Doch sieh mal her Chaskel! Von allen Seiten umringt uns Wasser, keine Erde kein Baum, keine Häuser, nichts als Wasser." „Das ist der Jamin^)" — unterwies sie Chaskel. „Der Jamm ist das" — jubelte Gitele — laß' uns schnell „Schechejvne" »lachen, Chaskel, daß wir erlebt haben zu sehen den Jamm, wo Pharaoh und sein ganzes Chajil^) ertrunken worden sind. „Und inbrünstig begann Gitele den Segenspruch, als plötzlich ein Schwindel sie erfaßte und sie anstatt des begonnenen Segensspruches sich an den Kopf fassend heftig zu stöhnen und zu schluchzen "begann: „Mein Kopf, mein Kops! Chaskel was ist das? Mir ist übel, furchtbar übel."— Chaskel, der darauf gefaßt war suchte sie zu beruhigen und sagte: „Ängstige Sich nicht, es ist die Jammkrankheit, es wird schon vorübergehen." Doch Gitele hörte auf ihn nicht und schrie in einem fort: „Wehe mir, wehe meinen Jahren, die Neschome^) im Leibe dreht sich mir um, das Leben entflieht. Schma Jsroel, ich sterbe.' Wohin hast Du mich geführt? Apikores'), Posche Jsroel, warum liehst Du und siehst ruhig zu wie Dein Weib stirbt, ohne Chewre L,eut'^) und ohne Midist"). , Leiden. *) Ägypten. s) NiHtjuden. a) Männer der heiligen Vereinigung für 4) Meer. 5) Heer. •) Seele. ’) Freidenker. Totenbestattung. 9) Sündenbekenntms.

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