Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1894)
- Date
- 1894-08-01
- Page
- Seite 179 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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179 „So schnüre schnell das Packet zu und gehe in die Gaß'. Siehe zu, vielleicht bekommst Du irgend wo benutzte Billets, die doch awadeH billiger sind. Vergiß' nicht, wir haben eine weite Reise vor, und wir müssen sehr sparsam sein. Gieb auch Acht, daß leman Hascheni-) die Billets nicht aus Schal nes^j sein solle«. Hörst Dn Posche Israel?" „Geh' schon, geh znm T . . . . -" brummte Chaskel, und als er sich allein gewahrte fuhr er fort: „Solch' ein Stück ZoreZ soll ich nach Amerika mitnehmen. Was werde ich noch leiden! Ach wenn ich schon erst drüben wäre!" Früh am Morgen des darauf folgenden Tages bestiegen Chaskel und Gitele einen mit ihrem Gepäck beladenen Wagen und fuhren zur Eisenbahnstation. IV. Es tvar bereits Abend geworden, als Chaskel und seine Frau die Eisenbahnstation erreicht hatten. In einer halben Stunde sollte der Königsberger Zug cintreffen. Ter Wartesaal war bereits von Reisenden gefüllt. Am Schalter standen an einander gedrängt ungeduldige Männer und Weiber, um frühzeitig Fahrkarten zu erstehen. Chaskel bat nun seine süße Ehehälfte, auf die Sachen gut aufzupassen und näherte sich ebenfalls dem Schalter. Doch Gitele hielt es für geraten, mit den Sachen beladen ihm zu folgen, und als sie sah, daß er nach minutenlangenl Harren endlich an den Schalter gelangt war und für die gcivünschten Fahrkarten den geforderten Preis aufzählte, zupfte sie ihn am Rockärmel und schrie mit lauter Stimme:; „Warum versuchst Du nicht vom Preise etwas abzuhandeln? Du hast wohl Korachs Aschircs"), daß Du so verschwenderisch mit dem Gelde umgehst." „Schweig Gitele — raunte ihr Chaskel verlegen zu, — schweig'!" „Warum soll ich schweigen," schrie sie noch lauter. „Ich soll wol gleichgiltig znseben, wie Du unser sauer erworbenes Geld leichtsinnig vergeudest! Wenn ich auf dem Markt Hühner oder Kartoffeln kaufe, schäme ich mich nicht die Hälfte von dem verlangten Preise zu bieten und Du hast das Herz, ohne Weiteres soviel Geld herauszuschmeißen. Krank warst Du Rozeach"), benutzte Billets zu kaufen. Bist wohl ein Poritzch, daß Du neue haben mußt! Wehe mir und wehe meinen Jahren." Inzwischen hatte Chaskel, ohne sich um das Gelächter der neben ihm Stehenden zu kümmern, die Billets in Empfang genommen, die noch immer tobende Gitele an den Arm gefaßt und sie samt dem Gepäck in ein Coupe transportirt. Schon freute sich Chaskel darüber, daß es ihm gelungen war, Gitele endlich im Eisenbahnwagen zu haben, schon glaubte er. von all den erlittenen Qualen sich endlich ausruhen zu können, allein Gitele fing auf's Neue zu lamen- ') Gewiß. 2) Um Gnttes willen. *) Zweierlei Arten Wolle und Leinen. *) Unglück. b) Reichtum. 8) Mörder.;i Graf.