Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1894)
- Date
- 1894-08-01
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 174 In einem an Dr. Pinhas in Cassel, der ihn zu einer Bewerbung um die dortige Landrabbi »erstelle anffordert, lehnt Zunz eine solche ab, da er mit öbscuris liomimlms nicht in Reih und Glied stehen möchte. Er schreibt: wer mich nicht, sucht, findet mich nicht. Jm-Jahre 1835 wurde Zunz von dem Verein zur Verbesserung des israelitischen Kultus im Prag-als Prediger berufen. Einen heftigen Gegnev hatte diese» Verein au Samuel Landau der z. B. in seiner Traurede, gehalten' an den jr ngeu Kreiörabbiner Dr. Z. Frankel aus Teplitz, den Bräutigam vor Neuerungen und vor dein Umgänge mit Neuerern warnt. Während der Berufung »rach Prag tritt auch Peter Beer in Correspondenz mit Zunz, ivie auch' der wackere unvergl nchliche Prediger Mannheimer in Wien , der in einem Briefe unter anderem schrübt: Meine Frau trägt ihr eigenes Haar und ich rasiere mich und gehe mit einem Kappel, , wenn mich friert, sonst nicht. Eigentümliche Punkte enthielt die Bestimmung, her gemäß Zunz in Prag anzustelle» ist. 8. 8 lautet: Der Prediger ist auch verbunden, auf Verlangen des Vereins, seiner Zeit Vorträge über!Homiletik^ zu halten, ohne Anspruch aus eine separate Besoldung zu machen. In Prag wurde Zunz nur kühles Interesse entgegengebracht. Er blieb nicht lange daselbst und kehrte nach Berlin zurück, wo er endlich zum Leiter des jüdischen Lehrerseminars im Jahre, 1840 nach vielem Hin und Her ernannt wurde. Wir lassen hier zum Schlüsse noch folgen, was Zunz über seine jüdischen Zeitgenossen äußerte: * „Dahin bin ich gekommen, an eine Jüde»»resor»nation niinmermehr zu glauben, der Stein muß auf dieses Geschlecht geworfen und dasselbe verscheucht werden. Die guten Juden, das sind Asiaten oder die (ihrer unbewußt) Christen oder die Wenigen, wozu ich und noch ein paar gehören — sonst würde ich mich geschämt Haben, so unbescheiden zu sein. Aber die bitterste Ironie kennt diese kindischen Konvenieuzen »licht mehr. Das Judentum, das wir rekonstruiren wollten, ist zerrissen und die Beute der Barbaren, Narren, Geldwechsler, Idioten und Parnasiin. Noch manche Sonnenwende wird über dieses Geschlecht Hinwegrollen und es finden »vie heut: zerrissen, überfließerlb in die christliche Notreligion, ohne Halt u»»d Princip, znm Teil sin alten Schmutz, von Europa bei Seite geschoben, fortvegetirend, mit dem trockenen Auge nach dem Esel des Mesias oder einem anderen Langohr hinschauend — zum Teil blätternd in Stalltspapieren und im Konversationslexikon, bald reich; bald bankerott, bald gedrückt, -bald tolerirt. Die eigene . Mssenschaft ist unter den deutschen Inden erstorben und für die europäische haben sie öEwegen keinen Sinn, weil sie sich selber untreu, der Idee entfremdet und die SklavÄ» bloßen Eigennutzes gelvorden sind. Dieses Gepräge ihres jämmerlichen Zustanges tragen denn auch ihreSkribenten, Prediger, Konsistorialräthe, Gemeindeverfassungen, Parnasim, Titel, Zusammenkünfte, Einrichtungen, Subskriptionen, ihre Litteratnr, ihr Bachhandel, ihre Repräsentation, ihr Glück und ihr Unglück. Keine Jnstitnion, kein Herz und kein Sin»! Alles ist ein Brei von