Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1894)
- Date
- 1894-08-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 173 — flüchtigen Einfällen entscheiden, so daß wir uns oft nach der gehaltsreichsteu Rede an Spr. Tal- 23, 8. 9. erinnern müssen. Von Dr. Wolf aus Darnistadt, der in Kopenbage» war und der Zunz nicht geneigt war, schreibt Johlson: „denn Wolfs zusammengeschmiertes Habakuk und sein sogenannter Katechisnius sind doch wahrlich unter aller Kritik" und meint ferner: Eines ehrlichen, redlich gesinnten Gelehrten bedürfen wir, der sich ohne Heuchelei der guten Sache widmet und aus reiner Liebe — des ach! so tief gesunkenen Volkes sich erbarmet und ih»l kräftigst aufzuhelfen sucht. Ja Schwätzer, Heuchler und Pharisäer giebts noch genug. Zunz schreibt au Johlson nachdem er hörte, daß auch über seine äußere Erscheinung Erkundigung migcholt wurde: „ein Rabbiner in Darnistadt ist kein Phönix, der MäimoniLes Gelehrsamkeit mit den Talenten des Demosthenes und Antinous Schönheit vereinige, um vierteljährlich 20 Louisdor zu erhalten." Wolf aus Kopenhagen schreibt an Haarbleicher über Zunz: Zwei Predigten habe ich bisher nur von ihm gelesen, die Geist und Gewandheit zeigen, aber auch einen gewaltigen stürmischen Redner antuiidigcu, bei dem es donnert und blitzt, der mit einem Worte zu sagen, wenn er so hitziger Natur in der Praxis wie in der Theorie ist, zum Secleuhirtcu in dem sich reibenden Israel nicht taugt. Haarbleicher in Hamburg an den sich Wolf so äußert, denkt zwar anders er meint: ein eifernder Pinchas und kein kälbernder Aaron, ist uns jetzt not. Auch der in Frankfurt am Main verstorbene würdige Tr. Mannhayn, schreibt an den Kammer-Musikus Louis Schlösser in Tarmftadt über Zunz: Im Umgänge ist er sehr unterhaltend und voller Witz: und es. ist in der That ein Schimpf nu Berlin, daß ein solcher Mann dort nicht in seinem Fache ein reichliches Auslvmmkn finden kann. Er schreibt ferner: Er ist freilich kein Adonis und hat Pockennarben. Recht bezeichnend für den edlen Sinn Jvhlsvns, aber auch für die Zustande innerhalb der damaligen Frankfurter indischen Gemeinde ist, was Joblfon am 13. Juni 1831 an Dr. Zunz schreibt: „Wer jetzt Gutes wirken unll, hat wahrlich einen harten Stand und hat schwere Kämpfe zu bestehen. Doch habe ich selbst, vielleicht mehr als viele andere, die traurigsten und bittersten Er- 'ahrungen gemacht und kann in dieser Beziehung meine Lebensgeschichte wohl eine Leidenskette nennen. Ein ehrlicher Mann,' ein Mensch unter Menschen zu 'ein, ist an sich schon schwer genug, wie vielmehr jetzt in dem gleichsam transiiorischen Zustande der Juden. Ta muß sich der Redliche mit beständiger Selbstverleugnung aufopfern oder — da er nicht heucheln und schmeicheln kann — nntergehen." Erwähnt zu werden, verdient auch ein hebräischer Brief des damaligen Berliner Rabbiners Oettinger au Wolf über Zunz. Er wundert sich, wie es Zunz unr einfallen kann, unter die Klasse der Rabbiner gerechnet zu werden. Er nimmt Wolf zu, daß Zunz Werte „nur Excerpte seien." Tie Darmstüdter^ Angelegenheit, die für Zunz ungünstig ausfiel, endigte mit der Wahl des Herrn Tr. B. H. Auerbach, die keine glückliche war.