Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1894)
- Date
- 1894-08-01
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
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in Frankfurt a. M.: Wahrlich ich habe in dem letzten Jahre, bas für mich in mancher Hinsicht eine Prüfungszeit gewesen, mehr als einen sogenannten Freund zu dem Range gleichgültiger Bekannten herabsinken sehen. An Herrn Lindheim in Darmstadt, Großherz. Kriegskanzleisecretär und Präses des isr. Gemeindevorstandes, schreibt er, daß er in der Kunst, Aemter zu erobern und eigenes Verdienst geltend zu machen, ein Neuling sei. Interessant ist ein Brief Johlsons an Zunz vom 22. Sept. 1833. In demselben erwähnt er, daß er mit einem Herrn H. Pfungst, dessen Neffe im Darmstädter Gemeindevorstaude sei, über die Besetzung der Stelle gesprochen, auch wandte sich Johlson an Freiherrn v. Kuder in Tarmstadt mit der Bitte, einen besseren Gehalt zu fixiren. Bezeichnend ist der fanatisch angehauchte Satz in dem Briefe: denn warum sollte ein heutiger gebildeter Rabbiner, der doch auch Prediger und Schulinspcctor zugleich sein muß, nicht besser besoldet werden als der bisherige bärtige Müssiggänger oder Kapuziner-Affe? Er schreibt an Zunz und das zeigt von seinem Scharfblicke: aber wozu andere in Ihre Verhältnisse einweihen und die Juden merken lassen, daß -man ihrer bedürfe. Johlson erhoffte für Zunz später eine Berufung als Rabbiner nach Frankfurt a. M. und wollte ihn deshalb gerne schon in Darmstadt sehen. Das Urteil über den früheren Rabbiner in Darmstadt, scheut sich Johlson auch nicht in einem Briese an Herrn v. Kuder zu Ausdruck zu bringen. Zunz gibt in einem Schreiben vom 26. September 1833 an Johlson der Furcht Ausdruck, man konnte, falls man sich in Berlin über ihn erkundigte, seine sogenannte Frömmigkeit bekritteln. Indes begannen Jntriguen aller Art gegen Zunz in Darmstadt zu spielen. Johlson schreibt: Sollte man, was ich nicht vermute, einen Rabbinats-Diplom „Morenu" verlangen, so lassen Sie sich ein solches Stückchen Papier von Herrn Rapoport kommen. Auch Rksser wandte sich von Hamburg!>. Oktober 1*33 an den bereits genannten Herrn Lindheim in Darmstadt und bezeichnet in seinem Briefe Zunz, als den ersten seiner Zeit im Fache jüdischer Litteratur undbetrachtet es als Ehrensache, diesem Manne ein würdige und wirksame Stelle anzuweisen. Die Herren Lindheim, Dr. Linz, Pfungst und L. A. Wolfs, die damaligen Vertreter der Darmstädter Gemeinde verlangten von Zunz die Beibringung der Ordination „Morenn," auch sollte er einige Probepredigten halten, was er mit aller Entschiedenheit ablehnte. Hervorgehoben zu werden verdient, ums Johlson in einem Briefe an Herrn v. Kuder in Bezug auf Probepredigten schreibt: Wenn christliche Geistliche Probeprcdigten ablegen, so haben sie auch tüchtige Beurteiler, die Schein von Wirklichkeit zu unterscheiden und die Leistungen nach ihren! wahren Werte zu würdigen wissen. Aber wie steht's damit unter den Inden, die in der Regel kaum urteilsfähig (wenn sie geglänzte Stiefel tragen ergo: gebildet-eingebildet) sind. Wahrlich, einem solchen nuckitorio zieheich jede christliche Dorfgemeinde vor, bei der ich doch immer noch unverdorbenen gesunden Menschenverstand genug finde, während jene von elenden Nebendingen und zufälligen Kleinigkeiten sich bestimmen lassen und überall nur nach Launen, blinden Trieben und