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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1894-08-01 · Heft 8 (1.8.1894) · p. Seite 171

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
14 (1894)
Issue
Heft 8 (1.8.1894)
Date
1894-08-01
Page
Seite 171 (sequence 3)
Language
German
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mi dcr dortigen Filiale des Hamburger Tempels. Eine Anstellung ist aber Zunz in Berlin trotz >seiner tüchtigen Leistungen nicht geworden. Zunz mar ein freimütiger Redner, der kein Blatt vor den Mund »ahm und wenn er auch damit Anstoß erregte, so predigte er über daS Thema „des Gotteshauses Verfall" und geißelte darin die Schlaffheit der Mitglieder, welche ihren Freisinn in der Abkehr von allen Religiösen znm Ausdruck brachten. Freitag den 13. September 1822 legte er sei» Amt als Prediger nieder, nachdem er am 9. Mai desselben Jahres Frl. Adelheid Beermann geheiratet. Für Zunz begann jetzt eine Zeit der Not aber auch eine Zeit wissenschaftlicher Ernte- Als sein Hauptwerk „die gottesdienstlichen Borträge der Inden" erschien, Ivelches zu seinen hundertsten Geburtstag durch den frühverstorbenen Herrn Rabbiner Dr. N. Brüll in neuer Auflage unter Zusammenfassung aller auf diesem Gebiete erschienenen Forschungen ausgegeben werden sollte, war seine Not am größten und geistige Fülle und materieller Mangel lagerten neben einander. Endlich nach langem Hin und Her, Für und Wider wurde Zunz in Berlin bei Eröffnung dcr Gemeindeschule 3. Ja». 1826 mit der . Leitung derselben betraut, der er sich nur Nachmittags hingeben konnte, da er Vormittags in der Redaktion der Spcnerschcn Zeitung vollauf beschäftigt war. Er unterrichtete an der von ihm geleiteten Schule 16 Stunden wöchentlich. Später wurde Zunz durch die Umtriebe frommer Zeloten die Direktion der Schule cntivnnde» und B. Auerbach, einem scheinbar harmlosen aber in Wahrheit überaus schlauem Mann übertragen, dem die notwendigste Bildung zur Leitung einer Schule abging. Ende December 1831 schied Zunz auch ans seiner Thätigkeit bei der Spener'scheN Zeitung, da die politische Richtung, welche dieselbe eingeschlagen, mit seiner Ueberzeugung nicht übereinstimmie. Er war jetzt ohne Einkommen und die jüdische Gemeinde in Berlin setzte auf sein Ansuchen seine Jahressteuer von 10 Thalern ans 5 jährlich herab, ohne sich aber sonst um den bedeutende» Man», der in großer Not in ihrer Mitte lebte und bereits zwei Aemter bekleidet hatte, zu kümmern. Zunz sah sich allen. Ernstes um eine Bnchhalterstelle um, bewarb sich aber auch um eine vacante Stelle an der Redaktion der „Nationalzeitung" in Braunschweig. Aus einem Briefe an Steinheim geht seine damalige pessimistische Stimmung klar hervor. Er schreibt: Hier ekelt mich Alles, an auch kann ich es nicht länger so anshalten, dcr kleine Vorrat geht zu Ende und kein reicher Jude unterstützt die Wissenschaft. Ich hätte das früher nicht gedacht, daß ein Mensch, der etwas gelernt hat, so schwer de» kümmerlichen Unterhalt findet, ich. brauche dazu noch sehr wenig. Wie ein Lichtstrahl in dichte Finsternis fiel in seine düstere Stimmung ein Brief von Johlson, LehrSr am Philantropin in Frankfurt a. M. vom 12. September 1833, in welchem er ihm mitteiltr, daß er ihn für die vacante Lberrabbinerstelle in Tarmstadt an maßgebender Rolle vorgeschlagen und empfohlen habe. Ter Briefwechsel, der fich in Folge dessen zwischen Johlson und Zunz entspann ist kulturgeschichtlich äußerst interessant. Zunz schreibt am 17. September 1833 an Johlson

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