Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 14 (1894)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1894)
- Date
- 1894-08-01
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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170 fern Hrrin Tr. 2ili»cv und Gaeiov Seligmann aus den betreffenden Gemeindearchiven und vervollständigt. Folgen wir nun an der Hand der dankenswerten Arbeit Maybaums dem Verlaufe dieser Angelegenheiten. Am 12. Juni 1818 bewarb sich Zunz um die Predigerffelle am Hamburger Tempel : er wohnte damals in Berlin, Letzte Straße 47. Er wird zu einer Probepredigt eingeladen und tritt aus Freundschaft für Herrn Düschenrhal, einen Mitbewerber um die Stelle, freiwillig zurück- Er beklagt sich in einem Briefe mit Bezug auf Büschenthal, der noch im selben Jahre am 27. Tecember 1818 in Berlin verstorben, über die Juden, indem er schreibt: Auch er ist ein Beispiel davon, daß die jüdische Nation die Kopfe, die sich unter ihr hervorthnn, nicht gehörig unterstützt, nicht einmal anerkennt. Zunz verblieb weiter in Berlin, hörte Collegia und erhielt sich durch Erteilung von Unterricht in deutscher, lateinischer Sprache und in Mathematik. In dem von Gaus angeregten und in der Wohnung von I. A. List gegründeten „Verein für Kultur und Wissenschaft der Inden" that sich Zunz durch seine hervorragende Beteiligung hervor Im Jahre 1.820 lenkte Baruch Lindau in Berlin die Aufmerksamkeit seines Freundes Beer in Königsberg auf Zunz für Besetzung der dortigen modernen Religionslehrerstelle, und veranlagte letzteren seine Ansichten.über den jüdischen Religionsunterricht, in einem Elaborate niederzulegen, welches noch heute bedeutungsvoll genannt zu werden verdient. Er meint in diesem Schriftstücke, die Religion sei bis jetzt unter den Juden von zwei Feinden mißhandelt worden, vom Aberglauben, der uns die Frömmler, die Müssiggänger, die Unwissenden erzog und von der Vernünftele!, die nur die Heuchler, Egoisten, Abtrünnigen und Jrrrelrgiösen bildete. Ter lautere Unterricht in der Religion — — sucht das Gemüt, der Kinder durch eindringliche Worte und noch eilldringenderndes Beispiel zu erwärmen, ihnen eine Stütze zu geben für die Stürme des Lebens, * die sanften Tugenden der Liebe in ihr Herz zu pflanzen. Ins Einzelne eingehend sagt Zunz: Nicht notwendig aber ist die Kenntnis der hebräischen Sprache für jeden Knaben, auch meint er der ganze Unterricht ist fast nutzlos, wenn nicht damit eine deutsche Synagoge oder wenigsten ein verbesserter Gottesdienst verbunden Ist. Znyz stellt ferner den Satz auf: Der Religionslehrer und weiter niemand konfirmiert die Kinder. Er verlangt daß durch Maßregeln der bisherigen jüdischen' Anarchie gesteuert werde, daun würden Rohheit und Unwissenheit verschwinden, der kalte Egoismus vernichtet sein und die Ehre des gesunkenen Judentums vor den Augen ddr Völker erneuert werden. Zunz wurde aber dennoch in Königsberg nicht als Religionslehrer gewählt. Hierfür erhielt er aber in Berlin von der Verwaltung der jüdischen Gemeinde die Befugnis, in dem zur Gemeinde-Synagoge erhobenen Beer'schen Tempel neben I. L. Auerbach als Prediger zu wirken. Er predigte alle vierzehn Tagen und arbeitete seine Reden, über die er Register führte, gewissenhaft ausj nur während der Meßzeit predigte er in Leipzig